Badumbau bei COPD: Duschen mit Atemnot – das Bad als Kraftsparzone (2026)

Von Rainer Brettner, Beratung & Redaktion·Stand: September 2026·ca. 14 Min. Lesezeit

Illustration zu: Badumbau bei COPD: Duschen mit Atemnot – das Bad als Kraftsparzone (2026)
Sicher und bequem duschen – ohne hohen Wannenrand.

Nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) lebten 2023 in Deutschland rund 3,2 Millionen Menschen mit diagnostizierter COPD – bei Menschen über 65 Jahren liegt der Anteil bei etwa zehn Prozent (Quellen: WIdO-Gesundheitsatlas, RKI-GEDA-Studie). Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung macht aus einfachsten Alltagsdingen eine Belastungsprobe: Treppensteigen, Anziehen – und Duschen. Wer unter Atemnot leidet, erlebt die tägliche Körperpflege oft als Kraftakt, der erschöpfter endet, als er begonnen hat. Das muss nicht sein. Dieser Ratgeber zeigt, wie Duschen bei COPD so organisiert wird, dass es Kräfte schont statt verbraucht: mit dem richtigen Sitz, kurzen Wegen, einer offenen Dusche und einer Lüftung, die das Atmen nicht zusätzlich erschwert. Außerdem: was Krankenkasse und Pflegekasse übernehmen und was ein Umbau kostet.

Direkt anfragen: Wanne zur Dusche zum Festpreis – unverbindlich und kostenlos.

Warum Duschen bei COPD zur Belastungsprobe wird

Bei COPD sind die Atemwege dauerhaft verengt; schon normale Belastung führt zu Luftnot, weil die Atemmuskulatur mehr arbeiten muss als bei gesunden Lungen (Quelle: Lungeninformationsdienst). Das Duschen vereint gleich mehrere Belastungen auf einmal – wer das versteht, versteht auch, warum herkömmliche Bäder für COPD-Betroffene falsch geplant sind:

Problem bei COPD Folge im Bad
Atemnot bei BelastungStehend duschen erhöht die Atemarbeit; nach wenigen Minuten kommt die Luft weg
Arme über den Kopf hebenHaarewaschen, Einseifen der Schultern beansprucht die Atemhilfsmuskulatur – der Brustkorb wird „festgehalten“
Warme, feuchte LuftDuschdampf und schlechte Lüftung machen die Luft schwerer zu atmen
Enge, geschlossene DuschkabinenBeengung verstärkt das Gefühl, keine Luft zu bekommen; Kondenswasser und Dampfstau
Lange Wege im BadJeder unnötige Schritt kostet Sauerstoff; Handtuch, Kleidung und Pflegeprodukte liegen oft unerreichbar
Erschöpfung nach der PflegeWer nach dem Duschen erschöpfter ist als davor, spart am Ende am Waschen – mit Folgen für Haut und Wohlbefinden

Wichtig vorweg: Dieser Beitrag ist keine medizinische Anleitung zur COPD-Behandlung. Ob und wie viel Belastung im Einzelfall möglich ist, bestimmen die behandelnde Pneumologin oder der behandelnde Arzt – die Atemnot-Therapie (Medikamente, Atemtechniken, ggf. Sauerstoff) gehört in ihre Hände. Was hier beschrieben wird, ist die bauliche und organisatorische Seite: ein Bad, das die Kräfte schont, die noch da sind.

Duschen mit Atemnot: Vorbereitung, Reihenfolge, Tempo

Bevor irgendetwas umgebaut wird, lässt sich der Dusch-Alltag mit ein paar Regeln entlasten. Viele Betroffene und Angehörige berichten, dass die Reihenfolge den Unterschied macht:

  • Den richtigen Zeitpunkt wählen: Wer morgens nach dem Aufstehen besonders kurzatmig ist oder nach dem Inhalieren erst wieder zu Kräften kommen muss, duscht besser später am Vormittag. Empfehlenswert ist ein Zeitfenster, in dem die Medikamente wirken und der Alltag ruhig ist – nicht direkt nach anstrengender Tätigkeit und nicht unmittelbar nach dem Essen.
  • Alles vorbereiten, bevor das Wasser läuft: Handtuch, Unterwäsche, Kleidung, Pflegeprodukte – alles in Reichweite des Duschplatzes legen. Wer nach dem Duschen durchs Bad laufen muss, um das Handtuch zu holen, kühlt aus und verbraucht Kraft. Duschgel und Shampoo gehören in Wandspender oder Ablagen in Sitzhöhe, nicht auf den Boden.
  • Lauwarm statt heiß duschen: Heißes Wasser erzeugt viel Dampf und weitet die Gefäße – beides belastet den Kreislauf und macht die Luft im Bad schwerer. Lauwarmes Wasser reduziert den Dampf und schont den Kreislauf. Wer das Duschen kurz hält (fünf bis acht Minuten sind für viele ein gutes Maß), kommt erholter heraus.
  • Im Sitzen duschen: Wer im Stehen duscht, verbraucht Energie für das Stehen, die dann für nichts anderes mehr reicht. Auf einem Duschhocker oder Duschstuhl sitzend wird aus dem Kraftakt eine Pause – die Beine tragen nicht, der Rumpf ist entspannt, die Arme können sich auf den Oberschenkeln abstützen.
  • In Etappen arbeiten, Pausen einplanen: Oberkörper waschen, kurz durchatmen, Beine waschen, Pause. Nichts spricht dagegen, das Duschen in Etappen zu erledigen oder einzelne Schritte (etwa die Haarwäsche) an andere Tage zu legen.
  • Im Sitzen abtrocknen und anziehen: Wer nach dem Duschen sofort aufstehen muss, um sich abzutrocknen, verliert den Erholungseffekt. Auf dem Duschstuhl sitzend abtrocknen, dann in Ruhe aufstehen. Kleidung in der richtigen Reihenfolge zurechtlegen spart das Bücken.
  • Angehörige einbeziehen, wenn nötig: Wenn das Duschen regelmäßig in starke Atemnot mündet, ist das ein Zeichen, dass Hilfe nötig ist – sei es durch Angehörige oder durch den ambulanten Pflegedienst. Das ist keine Niederlage, sondern die Voraussetzung dafür, dass zu Hause gewaschen wird.

Der Sitz entscheidet: Duschhocker, Duschstuhl oder Wandklappsitz

„Duschen im Sitzen“ klingt einfacher, als die Auswahl ist – die drei klassischen Lösungen unterscheiden sich deutlich in Stabilität und Komfort:

Lösung Eigenschaften Für wen geeignet Kosten & Kostenträger
DuschhockerDrei oder vier Beine, klein, leicht, oft klappbarKurzes Duschen, wenig Platzbedarf; eher wackelig bei längerem Sitzenca. 30–80 €; Krankenkasse, im Regelfall auf Rezept (§ 33 SGB V, Produktgruppe 04)
DuschstuhlVier standsichere Beine, höhenverstellbar, oft mit Armlehnen und RückenlehneLängeres Sitzen, sicheres Aufstehen, Menschen mit wenig Kraft im Rumpfca. 80–250 €; Krankenkasse, im Regelfall auf Rezept (§ 33 SGB V)
WandklappsitzFest an der Wand montierter Sitz, hochklappbarDauerhafte Lösung in der Dusche, keine Beine im Weg, sehr stabilTeil einer Baumaßnahme (Pflegekasse § 40 SGB XI) oder Eigenkauf, Montage durch Fachbetrieb

Für Menschen mit COPD gilt: Wer unsicher auf den Beinen ist oder beim Duschen regelmäßig nach Luft ringt, ist mit einem Duschstuhl mit Armlehnen meist besser bedient als mit einem Hocker – die Armlehnen geben beim Hinsetzen und Aufstehen Halt, und die Rückenlehne erlaubt entspanntes Sitzen auch für längere Pausen. Ein Wandklappsitz ist die platzsparendste und stabilste Variante, setzt aber eine tragfähige Wand und die Entscheidung für einen festen Duschplatz voraus. Der Arzt oder die Ärztin verordnet Hocker und Stuhl im Regelfall; die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung (10 %, mindestens 5 €, höchstens 10 €) (Quellen: GKV-Spitzenverband, DAK-Gesundheit).

Der Umbau: Kurze Wege und eine offene Dusche

Wer dauerhaft gut duschen will, kommt um die Frage des Umbaus nicht herum – bei COPD aus anderen Gründen als nach einem Schlaganfall. Nicht die fehlende Kraft zum Übersteigen des Wannenrands steht im Zentrum, sondern Energie und Luft: Jede Schwelle, jede enge Kabine, jeder unnötige Schritt kostet Atem. Die Leitidee für den Umbau lautet: Das Bad als Kraftsparzone – alles, was zum Duschen gehört, liegt auf kürzestem Weg und auf einer Ebene.

  • Badewanne gegen bodengleiche Dusche: Der Wannenrand ist eine Kraftfalle: Bein anheben, Gleichgewicht halten, hinübersteigen – dreifache Belastung für Lunge und Muskulatur. Eine bodengleiche Dusche wird ohne Anheben betreten. Details zum Umbau: Wanne zur Dusche umbauen.
  • Offen statt eingeengt: Große Glaswände und geschlossene Duschkabinen stauen Dampf und beengen – beides verstärkt das Gefühl von Luftnot. Eine offene, ebenerdige Dusche ohne Türen und Wände lässt die Luft zirkulieren und wirkt räumlich großzügig. Wenn eine Abtrennung nötig ist, sind kurze, feste Glaswände mit großzügigem Durchgang oder ein Duschvorhang, der sich weit zur Seite ziehen lässt, die luftigeren Alternativen.
  • Duschfläche mit Sitz und Bewegungsraum: Nach DIN 18040-2 sind für barrierefreie Bäder Duschflächen von mindestens 120 × 120 cm vorgesehen – wichtig, wenn später ein Rollator oder ein Pflegedienst dazukommt. Der Wandklappsitz oder ein fester Duschstuhlplatz gehört in die Planung, nicht als nachträglicher Kompromiss.
  • Armatur und Ablagen vom Sitz aus erreichbar: Wer im Sitzen duscht, muss Wasser, Seife und Handbrause erreichen können, ohne aufzustehen. Eine Einhebelarmatur in Sitzhöhe an der Seitenwand, eine Handbrause mit langem Schlauch und Ablagen in Greifhöhe machen das Duschen im Sitzen zur entspannten Routine. Thermostatarmaturen verhindern, dass kaltes und heißes Wasser nachgestellt werden müssen.
  • Kurze Wege im ganzen Bad: Handtuchhalter direkt neben der Dusche, Kleiderhaken in Griffweite, ein Waschtisch zum Abstützen auf dem Weg aus der Dusche – jeder Schritt, der entfällt, ist geschenkte Atemluft.
  • Waschtisch als Stützpunkt: Ein stabiler Waschtisch, an dem man sich festhalten kann, während man das Gesicht wäscht oder die Zähne putzt, erspart das freie Stehen. Wer sich morgens schwach fühlt, setzt sich auf einen Hocker davor.

Lüftung und Raumklima: Feuchte Luft macht das Atmen schwerer

Warme, feuchte Luft ist für Menschen mit COPD doppelt problematisch: Sie ist schwerer einzuatmen, und die erhöhte Luftfeuchtigkeit begünstigt Schimmel, dessen Sporen die Atemwege reizen. Deshalb gehört die Lüftung in jeden COPD-gerechten Badplan:

  • Fenster oder Abluft: Ein Badfenster, das sich während und nach dem Duschen öffnen lässt, ist die einfachste Lösung. Ohne Fenster hilft ein Abluftventilator; Geräte mit Feuchtesensor schalten sich automatisch ein und laufen nach, bis die Luft wieder trocken ist.
  • Türverhalten: Die Badtür während des Duschens geschlossen zu halten, staut die Feuchtigkeit; sie ganz offen zu lassen, zieht die feuchte Luft in die Wohnung. Besser: kurz lüften oder den Ventilator laufen lassen und die Tür nach dem Duschen einen Spalt öffnen.
  • Lauwarm duschen reduziert den Dampf: Wer die Wassertemperatur moderat hält, erzeugt weniger Dampf – die wirksamste „bauliche“ Maßnahme kostet kein Geld.
  • Schimmel vermeiden: Regelmäßiges Stoßlüften, keine nassen Handtücher auf der Heizung und das Abwischen von Kondenswasser an Fliesen und Fenstern halten das Bad trocken. Wer unsicher ist, ob Feuchtigkeit im Bad ein Problem ist, kann mit einem einfachen Hygrometer die Luftfeuchtigkeit prüfen – dauerhaft über 60 Prozent ist ein Warnzeichen.

Wenn Sauerstoff dazukommt: Duschen mit Langzeittherapie

Bei fortgeschrittener COPD verordnen Ärztinnen und Ärzte manchmal eine Langzeit-Sauerstofftherapie – das Gerät begleitet den Alltag, auch den Weg ins Bad. Drei Punkte sind für die Badplanung wichtig, wenn Sauerstoff im Spiel ist:

  1. Gerät und Schlauch trocken halten: Sauerstoffgeräte und Konzentratoren gehören nicht in die nasse Dusche. Üblich ist, das Gerät unmittelbar außerhalb des Duschbereichs abzustellen und mit einem langen Schlauch zu duschen – ob und wie das im Einzelfall funktioniert, klären Sie mit Ihrem Sauerstoff-Versorger und dem Behandlungsteam. Sie kennen das Gerät und die Sicherheitsregeln.
  2. Steckplatz und Abstellfläche einplanen: Wer später ein Gerät im Bad benötigt, sollte beim Umbau eine trockene Steckdose außerhalb des Spritzwasserbereichs und eine ebene Abstellfläche in der Nähe des Duschplatzes vorsehen. Nachrüsten ist möglich, aber unschöner.
  3. Nicht allein duschen bei akuter Not: Wer auf Sauerstoff angewiesen ist und Phasen starker Atemnot kennt, sollte nicht duschen, während niemand im Haus ist – oder zumindest ein Notrufmittel in Reichweite haben. Die Frage, ob Duschen allein verantwortbar ist, gehört ins Gespräch mit dem Behandlungsteam, nicht in den Baumarkt.

Was der Umbau kostet – und wer sich beteiligt

Die gute Nachricht: Bei COPD beginnt die Anpassung klein. Duschhocker und Duschstuhl übernimmt die Krankenkasse im Regelfall auf Rezept, oft innerhalb weniger Tage. Der große Umbau – Wanne raus, bodengleiche Dusche rein – kostet je nach Ausführung als Richtwert 3.000 bis 8.000 € (Systemlösungen ab etwa 3.000 €, geflieste bodengleiche Duschen eher 5.000 bis 8.000 €; Richtwerte ohne Quellenbindung). Die Bausteine der Finanzierung:

  • Krankenkasse: Duschhocker, Duschstühle und in bestimmten Fällen Toilettensitzerhöhungen sind Hilfsmittel nach § 33 SGB V (Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen“)[1] und werden im Regelfall mit ärztlicher Verordnung abgegeben – eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt häufig eine Genehmigung. Handelsübliche Haltegriffe und Duschmatten gelten als allgemeine Gebrauchsgegenstände und sind Eigenkauf. Mehr: „Krankenkasse und Badumbau“.
  • Pflegekasse: Auch bei COPD kann ein Pflegegrad bestehen – immer dann, wenn die Alltagsbeeinträchtigungen voraussichtlich länger als sechs Monate andauern (§ 14 SGB XI), etwa wenn Körperpflege, Anziehen oder Haushaltsführung dauerhaft Hilfe erfordern. Der Antrag ist formlos bei der Pflegekasse möglich; die Begutachtung übernimmt der Medizinische Dienst. Mit anerkanntem Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse den Badumbau mit bis zu 4.180 € je Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI[2] – Antrag vor Baubeginn stellen; bei mehreren Berechtigten im Haushalt sind bis zu 16.720 € möglich[2].
  • KfW: Der Zuschuss 455-B (Barrierereduzierung) ist seit dem 31.07.2026 gestoppt, weil die 2026er-Mittel ausgeschöpft sind (Stand: September 2026) – neue Anträge werden nicht mehr angenommen[3]. Offen und weiter beantragbar ist dagegen der Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ (bis 50.000 €)[4] über die Hausbank.
  • Steuer: 20 % des Arbeitslohns der Handwerkerleistungen, maximal 1.200 € pro Jahr, sind nach § 35a EStG absetzbar[5], wenn die Rechnung den Lohnanteil separat ausweist.

Rechenbeispiel (Richtwerte): Bodengleiche Dusche als Systemlösung für ca. 5.000 €. Mit Pflegekassen-Zuschuss (4.180 €[2]) bleibt ein Eigenanteil von rund 820 €; davon lassen sich bei ausgewiesenem Lohnanteil 20 % über § 35a EStG zurückholen[5].

Checkliste: Duschen bei COPD

  • [ ] Duschzeit in ein ruhiges Zeitfenster legen (Medikamente wirken, kein Stress)
  • [ ] Handtuch, Kleidung und Pflegeprodukte vor dem Duschen in Reichweite legen
  • [ ] Duschhocker oder Duschstuhl auf Rezept bei der Krankenkasse beantragt
  • [ ] Lauwarm duschen, Duschdauer kurz halten, Pausen einplanen
  • [ ] Im Sitzen waschen, abtrocknen und anziehen
  • [ ] Wandspender für Duschgel/Shampoo in Sitzhöhe montiert
  • [ ] Lüftung geprüft: Fenster nutzbar oder Abluftventilator (idealerweise mit Feuchtesensor)
  • [ ] Handtuchhalter und Kleiderhaken direkt neben der Dusche
  • [ ] Offene, bodengleiche Dusche geplant (statt enger Kabine), Wanne zur Dusche umbauen
  • [ ] Bei Sauerstofftherapie: Abstellplatz und Steckdose trocken eingeplant, Umgang mit Versorger geklärt
  • [ ] Pflegegrad-Thema geprüft, Zuschussantrag vor Baubeginn geplant

Die häufigsten Fragen

Darf ich mit COPD baden?

Baden ist möglich, aber für viele Betroffene die anstrengendere Variante: Der Wannenrand verlangt Kraft beim Ein- und Ausstieg, und das warme Badewasser erzeugt Dampf und belastet den Kreislauf. Wer baden möchte, sollte die Temperatur moderat halten, das Bad kurz halten und jemanden in der Nähe haben. Die dauerhaft energiesparende Lösung ist die bodengleiche Dusche mit Sitz – das empfehlen auch Pneumologen ihren Patienten als Alltagsstrategie, wenn das Duschen zur Belastung wird.

Ist ein Duschhocker oder ein Duschstuhl besser?

Bei COPD meist der Duschstuhl: Er steht stabiler, ist höhenverstellbar und bietet mit Armlehnen Halt beim Hinsetzen und Aufstehen. Der Hocker reicht für kurzes Duschen und kleine Bäder. Beide sind im Regelfall Kassenleistung auf Rezept – die Verordnung stellt der Hausarzt oder die behandelnde Fachärztin aus.

Bekomme ich mit COPD einen Pflegegrad?

Nicht automatisch, aber möglich: Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern der tatsächliche Hilfebedarf im Alltag – etwa bei der Körperpflege –, der voraussichtlich länger als sechs Monate besteht. Wer regelmäßig Hilfe beim Waschen braucht, sollte den Antrag bei der Pflegekasse stellen; der Medizinische Dienst begutachtet den Einzelfall.

Was kostet der Umbau zur bodengleichen Dusche?

Je nach Ausführung als Richtwert 3.000 bis 8.000 €: Systemlösungen (Duschfläche aus einem Stück) ab etwa 3.000 €, geflieste bodengleiche Duschen eher 5.000 bis 8.000 €. Mit Pflegekassen-Zuschuss von bis zu 4.180 €[2] bleibt bei einem 5.000-€-Umbau ein Eigenanteil von rund 820 €.

Wie lüfte ich das Bad richtig?

Am besten während und nach dem Duschen: Fenster auf oder Abluftventilator laufen lassen, bis der Spiegel nicht mehr beschlägt – bei Geräten mit Feuchtesensor übernimmt das die Technik. Dauerhaft über 60 Prozent Luftfeuchtigkeit begünstigt Schimmel, dessen Sporen die Atemwege reizen.

Kann ich mit Sauerstoffgerät duschen?

Ja, in vielen Fällen – das Gerät steht trocken außerhalb des Duschbereichs, der Schlauch wird verlängert. Wie das konkret aussieht, klären Sie mit Ihrem Sauerstoff-Versorger und dem Behandlungsteam; sie kennen Gerät und Sicherheitsregeln. Wer akut starke Atemnot kennt, duscht nicht allein.

Fazit

Bei COPD ist das Bad keine Frage von Luxus, sondern von Atemluft: Jede Schwelle, jede enge Kabine und jeder unnötige Schritt kostet Sauerstoff, den die Lunge nicht hat. Die gute Nachricht: Die Anpassung beginnt klein und günstig. Duschstuhl auf Rezept, lauwarmes Wasser, kurze Duschzeiten, Wandspender in Sitzhöhe und eine Lüftung, die den Dampf abzieht – das entlastet oft schon am nächsten Tag. Wer dauerhaft plant, ersetzt die Wanne durch eine offene, bodengleiche Dusche mit festem Sitzplatz, verlegt Handtuch und Kleidung in Griffweite und hält die Wege kurz. Die Krankenkasse zahlt den Duschstuhl, die Pflegekasse bezuschusst den Umbau mit bis zu 4.180 € je Maßnahme nach § 40 SGB XI[2], sofern ein Pflegegrad anerkannt ist. Ein Bad, das die Kräfte schont, ist bei COPD keine Komfortfrage – es ist der Unterschied zwischen einem Ort der Erholung und einer täglichen Belastungsprobe. Alle Maße und Planungshilfen: Barrierefreies Bad nach DIN 18040.

Quellen

  • Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich), „COPD: Häufigkeit und Verbreitung“ (COPD-Zahlen Deutschland, GEDA-Studie RKI, Über-65-Jährige rund 10 %): https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/copd/verbreitung
  • Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Gesundheitsatlas COPD (rund 3,23 Mio. Betroffene 2023): https://www.gesundheitsatlas-deutschland.de/erkrankung/copd
  • § 40 Abs. 4 SGB XI (Zuschuss wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, 4.180 € / 16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  • § 14 SGB XI (Pflegebedürftigkeit, voraussichtlich länger als sechs Monate): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__14.html
  • § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  • § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html
  • GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen“: https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/hilfsmittel/fortschreibungen_aktuell/03_2022/20220311_Fortschreibung_Produktgruppe_04_Bade-und-Duschhilfen.pdf
  • DAK-Gesundheit, „Bade- und Duschhilfen“ (Zuzahlung 10 %, min. 5 €, max. 10 €): https://www.dak.de/dak/leistungen/hilfsmittel/bade-und-duschhilfen_11538
  • KfW, Meldung zum Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026: https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
  • KfW, Produktseite Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
  • DIN 18040-2 (Barrierefreies Bauen – Wohnungen; Duschfläche und Bewegungsflächen 120 × 120 cm), Zusammenfassung: https://www.pflege.de/barrierefreies-wohnen/badezimmer/dusche/

Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Förderbedingungen können sich ändern. Vor Antragstellung die aktuellen Konditionen bei Pflegekasse und KfW prüfen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung – Behandlung und Belastungsgrenzen bei COPD gehören in die Hände der behandelnden Pneumologinnen und Pneumologen.

Quellennachweise

  1. § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  2. § 40 Abs. 4 SGB XI (wohnumfeldverbessernde Maßnahmen; Zuschuss bis 4.180 € je Maßnahme, bis 16.720 € bei mehreren Berechtigten): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  3. KfW, Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026 – 2026er-Mittel ausgeschöpft, keine neuen Anträge (Stand: September 2026): https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
  4. KfW, Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ (Darlehen bis 50.000 € je Wohneinheit): https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
  5. § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen, 20 % der Arbeitskosten, max. 1.200 €/Jahr): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html

Jetzt Angebot anfragen

Von der Beratung bis zur Abnahme: der Umbau zur bodengleichen Dusche – mit Förderung bis 4.180 €. Zur Seite ›