Duschen bei Krebs-Therapie: Hygiene, Erschöpfung und das sichere Bad (2026)

Von Rainer Brettner, Beratung & Redaktion·Stand: September 2026·ca. 14 Min. Lesezeit

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Sicher und bequem duschen – ohne hohen Wannenrand.

Im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 517.800 Krebserkrankungen erstmalig diagnostiziert (Quelle: Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut). Viele Betroffene durchlaufen Chemotherapie, Strahlentherapie oder Immuntherapie – und erleben, dass plötzlich selbstverständliche Dinge kompliziert werden. Das Duschen gehört dazu: Das Immunsystem ist geschwächt, die Kräfte sind nach der Behandlung erschöpft, die Haut reagiert empfindlich, ein Port oder Verband will geschützt sein. Dieser Ratgeber erklärt, worauf es beim Duschen während einer Krebs-Therapie ankommt – Hygiene bei Immunschwäche, Duschen mit Port und Zugängen, der Umgang mit Erschöpfung – und wann ein Badumbau die Therapiezeit spürbar erleichtert. Wichtig vorweg: Die medizinischen Regeln im Einzelfall (Blutwerte, Hygienevorgaben, Hautpflege) stellen Ihre Behandlerinnen und Behandler auf; dieser Beitrag beschreibt die Alltags- und die Badseite des Themas.

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Drei Gründe, warum Duschen zur Herausforderung wird

Krebserkrankung und Therapie belasten den Körper auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Für das Bad sind vor allem drei relevant – wer sie kennt, erkennt, welche Anpassungen wirklich helfen:

Belastung Was sie bedeutet Was im Bad passiert
ImmunschwächeChemo-, Strahlen- und Immuntherapien können die Abwehr schwächen; das Infektionsrisiko steigt (Quelle: Krebsinformationsdienst)Jede Verletzung, jede Keimquelle, jeder Schimmelsporen-Winkel wird zum Risiko; Hygiene wird zur täglichen Aufgabe
Erschöpfung (Fatigue)Extreme Müdigkeit und Kraftlosigkeit gehören zu den häufigsten Therapie-NebenwirkungenStehend duschen kostet Kraft, die für nichts anderes mehr reicht; Duschen wird aufgeschoben oder ausgelassen
Haut, Nerven und KreislaufTherapien machen die Haut trocken und empfindlich; manche Chemotherapien schädigen Nerven (Polyneuropathie) mit gestörtem TemperaturempfindenHeißes Wasser reizt die Haut; wer Temperaturen nicht mehr richtig spürt, verbrüht sich leichter; Kreislaufprobleme unter der Dusche

Hinzu kommen praktische Fragen: Darf ich mit Port duschen? Wie schütze ich Verbände? Brauche ich nach der OP Hilfe beim Waschen? Der rote Faden dieses Ratgebers: Je klarer das Bad auf diese Fragen antwortet, desto mehr bleibt von der Kraft für das, was wirklich zählt – die Therapie und die Erholung.

Hygiene im Bad bei geschwächtem Immunsystem

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums empfiehlt Menschen mit Immunschwäche ausdrücklich, auf Hygiene zu achten und das Verletzungsrisiko zu verringern – denn über kleine Hautverletzungen können Krankheitserreger eindringen. Wie streng die Regeln im Einzelfall sind, hängt von der Behandlung ab: Nach einer Stammzelltransplantation oder bei bestimmten Blutkrebs-Erkrankungen gelten andere Maßstäbe als bei einer soliden Tumorerkrankung mit normalen Blutwerten. Das Behandlungsteam weiß, was im jeweiligen Fall gilt – fragen Sie danach. Die allgemeinen Grundsätze für das Bad:

  • Sauberkeit ist die Basis: Das Bad regelmäßig und gründlich reinigen, vor allem die Dusche und ihre Fugen. Feuchte Ecken, in denen sich Schimmel bildet, sind bei Immunschwäche keine Schönheitsfrage mehr, sondern ein Infektionsrisiko – sie gehören beseitigt. Glatte, leicht zu reinigende Oberflächen machen die Pflege einfacher als poröse Fugen und alte Duschvorhänge.
  • Eigene Handtücher, eigene Pflege: Während der Therapie sollte jeder im Haushalt sein eigenes Handtuch nutzen; feuchte Handtücher gehören zum Trocknen aufgehängt und regelmäßig gewechselt. Waschhandschuhe und Bürsten, die mehrere benutzen, sind während der Immunschwäche tabu.
  • Kleine Verletzungen vermeiden: Im Bad lauern Schnitt- und Stoßkanten: abgeplatzte Fliesen, scharfe Wannenränder, Glaswände mit Beschädigungen, herumstehende Rasierer. Wer immunschwach ist, sollte im Bad auf scharfe Kanten prüfen – und die Rasur im Zweifel auf einen elektrischen Rasierer umstellen, wie ihn der Krebsinformationsdienst als Maßnahme zur Verletzungsvermeidung nennt.
  • Angehörige denken mit: Auch gesunde Haushaltsmitglieder schützen die erkrankte Person, indem sie auf eigene Hygiene achten – etwa gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang und bei Erkältungssymptomen Abstand im Bad.
  • Wann Rücksprache nötig ist: Bei Fieber, offenen Wunden, nach Operationen oder wenn das Behandlungsteam besondere Hygieneregeln ausgegeben hat, gelten deren Vorgaben – im Zweifel vor dem Duschen anrufen, nicht hinterher.

Wichtig: Diese Punkte sind allgemeine Hygienegrundsätze, keine starren Verbote. Wer duschen darf und wer nicht, entscheiden die Blutwerte und die Vorgaben des Behandlungsteams – viele Menschen mit Krebs duschen während der gesamten Therapie ganz normal.

Duschen mit Port, PICC und Verband

Viele Chemotherapien laufen über einen Port – ein kleines Reservoir unter der Haut, das über einen Katheter mit einer großen Vene verbunden ist. Der Krebsinformationsdienst beschreibt es so: Anders als mit einem Venenkatheter kann man mit einem Port nach dem Abheilen der kleinen Operationswunde problemlos duschen und baden. Das ist die gute Nachricht. Praktisch heißt das:

  • Nach dem Abheilen der Wunde ist der Port in der Regel wasserdicht verschlossen und normales Duschen möglich – die Behandlerinnen und Behandler sagen, ab wann.
  • Solange die Wunde frisch ist oder ein Verband sitzt, muss die Stelle trocken bleiben. Wasserdichte Abdeckungen (etwa spezielle Pflaster oder Folienverbände) gibt es in der Apotheke; wie sie im Einzelfall richtig angebracht werden, zeigt das Pflegeteam der Klinik oder der ambulanten Praxis.
  • Keine Dauerberieselung: Den Portbereich nicht direkt und lange dem Wasserstrahl aussetzen; nach dem Duschen vorsichtig trockentupfen. Wenn sich die Haut am Port rötet, schmerzt oder nässen sollte, gehört das sofort dem Behandlungsteam gemeldet – der Krebsinformationsdienst weist darauf hin, dass entzündetes Gewebe am Port ernst genommen werden muss.
  • PICC-Line und andere Zugänge: Auch hier gilt: Das Pflegeteam erklärt, was beim Duschen erlaubt ist und wie der Zugang geschützt wird. Häufig sind wasserdichte Armschutzhüllen im Einsatz; der Duschkopf sollte nicht direkt auf die Einstichstelle gerichtet werden.

Für die Badplanung bedeutet das: Eine Handbrause mit langem Schlauch ist während einer Therapie Gold wert – sie erlaubt gezieltes, sanftes Abspülen, ohne den ganzen Körper dem Strahl auszusetzen. Ein Duschsitz macht das Waschen mit einseitig geschütztem Oberkörper (Port-Seite, Verband) deutlich einfacher. Und ein Spiegel in Sitzhöhe hilft, Port und Verband selbst zu kontrollieren.

Erschöpfung: Duschen ohne Kraft

Fatigue ist keine normale Müdigkeit, sondern eine quälende Erschöpfung, die sich durch Schlaf allein nicht beheben lässt – und sie macht aus dem Duschen einen Kraftakt, der den Rest des Tages kosten kann. Die Strategie heißt Energie einteilen, und sie beginnt mit einer Erlaubnis: Es ist in Ordnung, nicht jeden Tag ausgiebig zu duschen. Wer erschöpft ist, kann an manchen Tagen eine Ganzkörperwäsche am Waschbecken machen und das Duschen auf den Tag legen, an dem die Kräfte da sind. Wenn Duschen ansteht:

  • Duschen, wenn die Energie am höchsten ist – bei vielen Menschen ist das am späten Vormittag, nicht direkt nach dem Aufstehen und nicht nach anstrengenden Terminen. Die Therapietage selbst sind oft keine guten Dusch-Tage; die Tage dazwischen schon.
  • Im Sitzen duschen: Ein Duschhocker oder Duschstuhl verwandelt das Duschen von einer Stehbelastung in eine Sitzpause. Wer unter Kreislaufproblemen leidet, sollte ohnehin nicht stehend duschen – im Sitzen ist das Risiko von Schwindel und Ohnmacht deutlich geringer.
  • In kurzen Etappen: Waschen, Pause machen, abspülen, Pause, abtrocknen. Die Reihenfolge lässt sich auf mehrere kurze Einheiten verteilen; nichts muss in einem Durchgang passieren.
  • Unterstützung annehmen: Wenn der Partner oder die Partnerin hilft – Haare waschen, Rücken einseifen, abtrocknen –, halbiert das die Belastung. Wer allein lebt, kann den ambulanten Pflegedienst oder Angehörige einbinden; auch die Sozialdienste der Kliniken beraten, welche Hilfe vor Ort möglich ist.
  • Kreislauf im Blick: Lauwarm duschen, nicht heiß – heißes Wasser weitet die Gefäße und kann den Kreislauf zusätzlich belasten. Wer sich während des Duschens schwindlig fühlt, setzt sich sofort hin (deshalb steht der Stuhl schon da), dreht das Wasser ab und ruft um Hilfe, wenn der Schwindel nicht nachlässt. Nach der Chemotherapie sollte niemand duschen, während die Wohnung leer ist, wenn Kreislaufprobleme bekannt sind.

Haut, Nerven und Wasser: Temperatur mit Bedacht

Viele Therapien machen die Haut trocken, schuppig und empfindlich; die Strahlentherapie kann die Haut im bestrahlten Areal reizen. In der onkologischen Pflege gelten deshalb milde, hautschonende Produkte als Standard: pH-hautneutrale, parfümarme oder -freie Waschlotionen und rückfettende Pflege, etwa Duschöle oder Produkte mit Harnstoff bei trockener Haut (Quelle: Broschüre „Infektionsschutz bei Patienten in der onkologischen Praxis“). Dazu:

  • Lauwarm und kurz duschen, nicht heiß und nicht ausgiebig – heißes Wasser entzieht der Haut zusätzlich Fett.
  • Sanft trocknen: Abtupfen statt rubbeln, besonders an Hautstellen, die bestrahlt wurden oder gerötet sind. Was die Haut im bestrahlten Areal genau verträgt (Wasser, Seife, Pflegeprodukte), markieren die Strahlentherapeuten oft direkt auf der Haut – deren Anweisungen haben Vorrang.
  • Polyneuropathie ernst nehmen: Manche Chemotherapien schädigen die Nerven in Händen und Füßen; Betroffene spüren Temperaturen und Berührung schlechter. Heißes Wasser wird dann nicht mehr rechtzeitig als heiß wahrgenommen – die Verbrühungsgefahr steigt. Eine Thermostatarmatur mit fest begrenzter Maximaltemperatur ist die einfachste bauliche Antwort: Sie lässt heißes Wasser gar nicht erst zu. Auch beim Fußbad gilt: Temperatur messen oder von einer anderen Person prüfen lassen, nie mit den eigenen Füßen „testen“.

Der richtige Zeitpunkt für einen Badumbau

Wer eine längere Therapie vor sich hat und weiß, dass das eigene Bad nicht mitspielt – Wanne statt Dusche, keine Sitzmöglichkeit, rutschiger Boden, unerreichbare Ablagen –, steht vor einer Zeitfrage: Umbauen vor, während oder nach der Therapie? Die ehrliche Antwort lautet meist: vorher, wenn möglich.

Zeitpunkt Vorteile Nachteile
Vor TherapiebeginnUmbau ist erledigt, wenn die Kräfte gebraucht werden; keine Baustelle während Immunschwäche; Förderantrag ohne ZeitdruckMuss früh geplant sein; Diagnose-Phase ist emotional belastend
Während der TherapieBedarf ist konkretBaustaub und Handwerker im Bad sind bei Immunschwäche riskant; Termine kollidieren mit Therapie-Zyklen; Erschöpfung erschwert Entscheidungen
Nach der TherapieKräfte kehren zurückDie schwere Zeit wurde ohne die Erleichterung durchlebt

Wer umbauen möchte, sollte den Umbau in ein Zeitfenster legen, in dem die Blutwerte stabil sind und keine akute Infektionsgefahr besteht – und die Fachfirma auf die Situation hinweisen. Wer erst während der Therapie merkt, dass das Bad nicht funktioniert, findet in Hilfsmitteln schnelle Hilfe: Duschhocker, Duschstuhl, Handbrause, Haltegriffe und rutschfeste Matten lassen sich ohne Baustelle nachrüsten und machen oft schon den entscheidenden Unterschied.

Was das Bad leisten sollte: die Ausstattung im Überblick

Wer vor oder nach der Therapie umbaut, plant am besten auf diese Anforderungen:

  • Bodengleiche Dusche statt Badewanne: Kein Wannenrand zum Übersteigen – wichtig bei Schwäche, Schwindel und nach Operationen. Details: Wanne zur Dusche umbauen.
  • Duschplatz mit Sitz: Wandklappsitz oder Platz für den Duschstuhl, mit Ablagen in Sitzhöhe und erreichbarer Armatur.
  • Handbrause mit langem Schlauch für gezieltes, sanftes Abspülen (Port, Verband, Hautstellen).
  • Thermostatarmatur mit Verbrühschutz – bei Polyneuropathie und empfindlicher Haut die wichtigste Sicherheitsmaßnahme.
  • Haltegriffe an Dusche, WC und Waschtisch – auch für die Tage nach Operationen und Eingriffen, an denen das Gleichgewicht schwankt.
  • Rutschhemmende Fliesen: Im Duschbereich verlangt die DIN 18040-2 mindestens Bewertungsgruppe B (geprüft nach DIN 51097); in der Praxis üblich sind R10-Fliesen mit B-Einstufung. Keine losen Teppiche im Bad.
  • Leicht zu reinigende Oberflächen: Glatte Fliesen, gut erreichbare Ecken, keine porösen Fugen – Hygiene bei Immunschwäche fängt beim Material an. Gute Lüftung (Fenster oder Abluftventilator) hält das Bad trocken und schimmelfrei.
  • Bewegungsfläche für eine zweite Person: Wenn der Partner oder Pflegedienst beim Waschen hilft, braucht es Platz neben der Dusche. Die Maße nach DIN 18040-2 (Duschfläche und Bewegungsflächen mindestens 120 × 120 cm) sind dafür der Orientierungsrahmen – Details: Barrierefreies Bad nach DIN 18040.

Wer zahlt: Hilfsmittel, Pflegegrad und Beratung

  • Krankenkasse: Duschhocker und Duschstühle sind Hilfsmittel nach § 33 SGB V (Produktgruppe 04) und werden im Regelfall mit ärztlicher Verordnung bezahlt – eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt häufig eine Genehmigung[1]. Die Verordnung stellt der behandelnde Arzt, auch der Onkologe. Gerade während einer Therapie ist das der schnellste Weg zu einem sicheren Duschplatz. Handelsübliche Haltegriffe und Duschmatten sind Eigenkauf.
  • Pflegekasse: Auch während oder nach einer Krebserkrankung kann ein Pflegegrad bestehen – maßgeblich ist der Hilfebedarf im Alltag, der voraussichtlich länger als sechs Monate andauert (§ 14 SGB XI). Ob das im Einzelfall zutrifft, begutachtet der Medizinische Dienst; der Antrag ist formlos bei der Pflegekasse möglich. Mit Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse den Badumbau mit bis zu 4.180 €[2] je Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI – Antrag vor Baubeginn stellen.
  • KfW und Steuer: Der KfW-Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ (bis 50.000 €[3]) steht unabhängig vom Pflegegrad über die Hausbank offen; der Zuschuss 455-B ist dagegen seit dem 31.07.2026 gestoppt – die 2026er-Mittel sind ausgeschöpft, neue Anträge werden nicht mehr angenommen (Stand: September 2026)[4]. 20 % des Arbeitslohns der Handwerkerleistungen (max. 1.200 €/Jahr) sind nach § 35a EStG absetzbar[5].
  • Beratung: Der Krebsinformationsdienst des DKFZ beantwortet Fragen zu Therapie und Alltag kostenlos; auch die Krebsberatungsstellen der Länder und die Sozialdienste der Kliniken helfen bei Anträgen und Finanzierungsfragen.

Fünf Fragen an Ihr Behandlungsteam

Diese Liste ersetzt kein ärztliches Gespräch – sie macht es einfacher:

  1. Darf ich duschen, wenn meine Blutwerte niedrig sind – und woran erkenne ich, dass ich heute besser nicht duschen sollte?
  2. Wie schütze ich meinen Port beziehungsweise meine PICC-Line beim Duschen, und welche wasserdichten Abdeckungen empfiehlt das Team?
  3. Gibt es besondere Regeln für die Haut im bestrahlten Bereich – Wasser, Seife, Pflege?
  4. Kann ich mir einen Duschhocker oder Duschstuhl auf Rezept verordnen lassen, und welcher ist bei meiner Kraft und Größe sinnvoll?
  5. Sollte ich nach der Chemotherapie duschen, während jemand zu Hause ist – und welche Warnzeichen (Schwindel, Fieber, Unwohlsein) bedeuten: sofort aufhören und Hilfe holen?

Häufig gestellte Fragen

Darf ich während der Chemotherapie duschen?

In der Regel ja – Duschen ist bei den meisten Therapien erlaubt und für die Hygiene sogar wichtig. Entscheidend sind die Blutwerte und die Vorgaben des Behandlungsteams: Bei ausgeprägter Immunschwäche, Fieber oder besonderen Zugängen können Einschränkungen gelten. Im Zweifel: das Team fragen, nicht raten.

Wie oft sollte ich bei Immunschwäche duschen?

So oft, wie es der Haut und den Kräften guttut – meist reichen zwei bis drei Duschen pro Woche, dazwischen die Ganzkörperwäsche am Waschbecken. Häufiges Duschen mit viel Seife trocknet die ohnehin beanspruchte Haut zusätzlich aus. Wichtiger als die Frequenz ist die Hygiene: sauberes Bad, eigene Handtücher, milde Pflege.

Kann ich mit Port duschen?

Ja – nach dem Abheilen der Wunde ist das Duschen mit Port in der Regel problemlos möglich. Solange die Wunde frisch ist oder ein Verband sitzt, muss die Stelle wasserdicht abgedeckt werden; wie, zeigt das Pflegeteam. Bei Rötung oder Schmerzen am Port sofort das Behandlungsteam informieren.

Was tun bei Schwindel unter der Dusche?

Sofort hinsetzen (deshalb steht der Duschstuhl bereit), Wasser abdrehen, tief und ruhig atmen, notfalls Hilfe rufen. Wer nach Chemotherapie-Zyklen zu Kreislaufproblemen neigt, duscht besser, wenn jemand zu Hause ist, lauwarm und im Sitzen.

Wer verschreibt den Duschhocker während der Therapie?

Der behandelnde Arzt – Hausarzt oder Onkologe – verordnet Duschhocker und Duschstuhl im Regelfall als Hilfsmittel (§ 33 SGB V, Produktgruppe 04)[1]; eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt häufig eine Genehmigung. Das Rezept reichen Sie bei der Krankenkasse oder direkt im Sanitätshaus ein; die Kasse übernimmt die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung.

Sollten wir vor der Therapie umbauen?

Wenn absehbar ist, dass das Bad nicht funktioniert (Wanne statt Dusche, keine Sitzmöglichkeit, rutschiger Boden), ja – am besten vor Therapiebeginn, wenn die Kräfte und die Blutwerte stabil sind. Eine Baustelle während einer Immunschwäche ist zu vermeiden; wer keine Zeit mehr für den großen Umbau hat, rüstet mit Duschstuhl, Handbrause und Haltegriffen nach – das hilft oft erstaunlich viel.

Fazit

Duschen während einer Krebs-Therapie ist kein Selbstläufer – aber es ist machbar, wenn Hygiene, Hilfsmittel und Badausstattung zusammenpassen. Bei Immunschwäche zählen ein sauberes, schimmelfreies Bad, eigene Handtücher und der Schutz vor kleinen Verletzungen; mit Port oder PICC-Line entscheidet das Pflegeteam, was beim Duschen gilt; bei Erschöpfung verwandeln Duschstuhl, kurze Etappen und lauwarmes Wasser den Kraftakt in eine Pause. Und weil sich während der Therapie selten die Gelegenheit für große Entscheidungen bietet, ist der Badumbau – wenn er ansteht – am besten vor Therapiebeginn erledigt: bodengleiche Dusche, Sitz, Handbrause, Verbrühschutz und leicht reinigbare Flächen. Die Krankenkasse zahlt den Duschstuhl im Regelfall auf Rezept[1], die Pflegekasse bezuschusst den Umbau bei Pflegegrad mit bis zu 4.180 €[2] nach § 40 SGB XI. Am Ende gilt: Das Bad soll in dieser Zeit nicht fordern, sondern tragen. Die Planungshilfe mit allen Details: Barrierefreies Bad nach DIN 18040.

Quellen

  • Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut, „Krebs gesamt“ (rund 517.800 Neuerkrankungen 2023): https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs_gesamt_node.html
  • Krebsinformationsdienst (DKFZ), „Vorbeugung von Infektionen bei Krebs“ (Hygiene, Verletzungsrisiko, Port und Duschen): https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/entzuendung-und-infektion/vorbeugung
  • Krebsinformationsdienst (DKFZ), „Hygiene im Alltag: Infektionen bei Krebs vorbeugen“: https://www.krebsinformationsdienst.de/alltag-mit-krebs/schutz-vor-keimen
  • Broschüre „Infektionsschutz bei Patienten in der onkologischen Praxis“ (milde, parfümfreie Pflege; rückfettende Produkte; Urea bei trockener Haut): https://www.pflege-onkologie.de/assets/buildeasy/europe/pflege-onkologie/de/documents/BMS%206181%20Brosch%C3%BCre%20Infektionsschutz_ONC-DE-2200620.pdf
  • § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  • § 40 Abs. 4 SGB XI (Zuschuss wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, 4.180 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  • § 14 SGB XI (Pflegebedürftigkeit, voraussichtlich länger als sechs Monate): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__14.html
  • § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html
  • KfW, Meldung zum Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026: https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
  • KfW, Produktseite Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
  • DIN 18040-2 (Barrierefreies Bauen – Wohnungen; Duschfläche und Bewegungsflächen 120 × 120 cm), Zusammenfassung: https://www.pflege.de/barrierefreies-wohnen/badezimmer/dusche/

Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Förderbedingungen können sich ändern. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung – Hygieneregeln, Dusch-Erlaubnis und Hautpflege während der Krebs-Therapie legen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte fest.

Quellennachweise

  1. § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung; Duschhocker und Duschstühle als Hilfsmittel, im Regelfall mit ärztlicher Verordnung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  2. § 40 Abs. 4 SGB XI (Zuschuss zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, bis zu 4.180 € je Maßnahme): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  3. KfW, Produktseite „Altersgerecht Umbauen – Kredit 159“ (Darlehen bis 50.000 € je Wohneinheit): https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
  4. KfW, Antragsstopp des Zuschusses 455-B vom 31.07.2026 (2026er-Mittel ausgeschöpft, keine neuen Anträge; Stand: September 2026): https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
  5. § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen: 20 % der Arbeitskosten, max. 1.200 €/Jahr): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html

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