Badumbau bei Demenz Stufe 2: Das Bad sicher und vertraut gestalten (2026)

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft schätzt, dass in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz leben – die meisten von ihnen werden zu Hause versorgt, der Großteil der Pflege tragen Angehörige (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Infoblatt 1). Der Verlauf wird meist in drei Abschnitte eingeteilt: leichtes, mittleres und schweres Stadium. Wenn Angehörige von „Demenz Stufe 2“ sprechen, meinen sie in der Regel das mittlere Stadium – die mittelgradige Demenz. (Je nach Skala, etwa der GDS-Skala mit sieben Stufen, wird anders nummeriert; hier gilt die Drei-Stadien-Einteilung.) In dieser Phase gelingt die Körperpflege nicht mehr allein, die Orientierung lässt auch in der vertrauten Wohnung nach – und das Bad, bisher ein Raum der Routine, wird zum Ort der täglichen Kraftprobe. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie das Bad in Stufe 2 gestalten, damit es Sicherheit bietet, ohne die vertraute Umgebung zu zerstören, auf die Menschen mit Demenz angewiesen sind.
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Was Stufe 2 bedeutet: Worauf Sie sich im Bad einstellen müssen
Im mittleren Stadium der Demenz sind die Veränderungen im Alltag deutlich spürbar, auch wenn vieles von der Persönlichkeit erhalten bleibt (Quelle: Alzheimer Forschung Initiative, „Verlauf der Demenz“). Für die Badplanung sind diese typischen Veränderungen entscheidend:
| Typisch in Stufe 2 | Konsequenz für das Bad |
|---|---|
| Alltagshandlungen gelingen nur noch mit Unterstützung oder nach Aufforderung | Waschen und Anziehen müssen begleitet werden – das Bad braucht Platz für eine zweite Person |
| Orientierungsprobleme treten auch in vertrauter Umgebung auf | Toilette und Dusche müssen auf den ersten Blick erkennbar sein – nicht hinter Türen und Vorhängen versteckt |
| Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät durcheinander, viele Betroffene sind nachts unruhig | Nächtliche Wege zur Toilette werden zur Sturzstrecke – Beleuchtung und freie Wege sind Pflicht |
| Unruhe und Bewegungsdrang nehmen zu | Gefahrenquellen müssen unsichtbar entschärft werden; Verletzungsrisiken an Kanten und Heißwasser steigen |
| Die Kontrolle über Blase und Darm kann verloren gehen | Hygiene- und Toilettenfragen rücken in den Mittelpunkt – auch Materialwechsel müssen im Bad möglich sein |
| Verstehen und Sprache werden schwieriger | Je weniger erklärt werden muss, desto besser: feste Abläufe und bekannte Gegenstände ersetzen Worte |
Wichtig sind zwei Dinge: Nicht jeder Mensch zeigt alle diese Zeichen, und der Verlauf ist individuell. Und: „Stufe 2 der Demenz“ ist kein Pflegegrad. Ob und welcher Pflegegrad vorliegt, stellt der Medizinische Dienst bei der Begutachtung fest – die zunehmende Hilfe bei der Körperpflege fließt dort ausdrücklich ein. Wer merkt, dass Waschen und Toilettengang nicht mehr allein gelingen, sollte den Pflegegrad beantragen, noch bevor über den Umbau entschieden wird.
Sicher und vertraut: Fünf Grundregeln für das Bad
Menschen mit Demenz leben von Vertrautheit: Bekannte Räume, Gegenstände und Abläufe geben Halt, solange das Verständnis für Neues schwindet. Gleichzeitig steigt die Gefahr in einem Bad, das nicht an die Erkrankung angepasst ist. Die Kunst der Badgestaltung in Stufe 2 liegt darin, beides zu verbinden. Fünf Grundregeln helfen:
- Gefahr entschärfen statt verbieten. Ein Verbot wie „Fass das nicht an“ oder „Lass das Wasser in Ruhe“ funktioniert bei Demenz kaum – die Einsicht fehlt, die Erinnerung an die Regel ebenso. Stattdessen wird die Gefahr technisch entschärft: Thermostat begrenzt das Wasser, abschließbare Schränke sichern Reiniger und Medikamente, der Herd im Bad existiert nicht, die Tür lässt sich nicht von innen verriegeln.
- Vertrautes behalten. Handtücher in den gewohnten Farben, die Zahnbürste am gewohnten Platz, die bekannte Seife: Vertraute Gegenstände signalisieren „das ist mein Bad“. Gerade nach einem Umbau entscheidet dieser Wiedererkennungswert darüber, ob der Raum akzeptiert wird.
- Neues nur schrittweise. Ein komplett neues Bad in einer Woche ist für einen Menschen, der sein Bad seit Jahrzehnten kennt, eine Zumutung. Wo möglich, wird in Etappen umgebaut oder die neue Dusche vor dem ersten Benutzen gemeinsam angeschaut und erklärt.
- Weniger Reize, klarere Signale. Gemusterte Fliesen, Spiegelungen und Glanzlichter verwirren. Ruhige, helle Flächen mit kontrastreichen Details an den wichtigen Stellen – dunkle WC-Brille auf hellem Boden, farbige Griffe an der Badtür – lenken den Blick dorthin, wo er hin soll.
- Licht, das keine Schatten wirft. Ältere Augen und das demente Gehirn brauchen gleichmäßiges, blendfreies Licht – auch nachts. Eine Grundbeleuchtung, die automatisch angeht, verhindert, dass der Weg zur Toilette im Dunkeln zum Abenteuer wird.
Die Toilette: auffindbar, erkennbar, erreichbar
Im mittleren Stadium wird die Toilette zum zentralen Problem – nicht nur, weil die Kontrolle über Blase und Darm nachlässt, sondern weil der Weg dorthin im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr gefunden wird. Menschen mit Demenz verirren sich in der eigenen Wohnung, öffnen Schränke statt Türen und stehen ratlos vor Räumen, die sie nicht zuordnen können. Diese Maßnahmen machen die Toilette wieder auffindbar:
- Sichtachse schaffen: Das WC sollte von der Badtür aus sichtbar sein. Steht die Toilette hinter der Tür oder in einer Nische, hilft es, die Tür tagsüber offen zu halten oder durch eine Faltschiebetür zu ersetzen.
- Kontraste setzen: Eine dunkle WC-Brille auf hellem Boden und eine helle Wand hinter dem WC machen das WC als solches erkennbar – für ein wahrnehmungsgestörtes Gehirn sind Konturen wichtiger als Beschriftung.
- Piktogramm an der Tür: Ein einfaches Schild (WC-Symbol) an der Badtür und an der Toilettentür unterstützt die Orientierung, solange Lesen noch gelingt. Das Symbol sollte überall in der Wohnung gleich sein.
- Routine statt Suche: Feste Toilettengänge – nach dem Aufstehen, nach den Mahlzeiten, vor dem Schlafengehen – reduzieren nächtliche Notfälle und machen das WC zum Teil des Tagesablaufs statt zum Ziel einer verzweifelten Suche.
- Für die Nacht: Ein Nachtlicht im Bad und auf dem Flur, das von selbst angeht. Wer nachts unsicher ist, für den kann zusätzlich ein Toilettenstuhl im Schlafzimmer die sicherste Lösung sein – besprechen Sie das mit dem Pflegedienst oder der Ergotherapie.
Am WC selbst gelten die Standards des barrierefreien Bads: Stützklappgriffe beidseitig, bei Bedarf eine Toilettensitzerhöhung, ausreichend Platz für eine helfende Person. Details zu Maßen: Barrierefreies Bad nach DIN 18040.
Duschen in Stufe 2: Wann die Wanne weichen sollte
Im mittleren Stadium ist das Verhältnis zum Wasser oft gestört: Das Rauschen der Dusche wirkt bedrohlich, das Gefühl von Nässe und Nacktheit wird als unangenehm erlebt, manche Betroffene wehren sich körperlich gegen das Waschen. Gleichzeitig steigt die körperliche Gefahr: Das Gleichgewicht lässt nach, die Angst vor dem Wannenrand ist real, Verbrühungen passieren, weil das Temperaturempfinden nachlässt. Für die meisten Menschen in Stufe 2 ist die bodengleiche Dusche deshalb die richtige Lösung – aus drei Gründen:
- Sie ist gefahrlos betretbar. Keine Schwelle, kein Wannenrand, kein glatter Wannenboden: Die Sturzgefahr sinkt auf das technisch mögliche Minimum.
- Sie ist auf einen Blick erkennbar. Eine offene, bodengleiche Dusche ohne Vorhang wirkt wie ein begehbarer Raum – anders als ein Duschvorhang, hinter dem sich für den Betroffenen etwas Unbekanntes verbirgt. Der Umbau von der Wanne zur Dusche ist bei Demenz meist die zentrale Maßnahme: Wanne zur Dusche umbauen.
- Sie erlaubt das Waschen im Sitzen. Ein fester Wandklappsitz oder ein Duschstuhl nimmt dem Waschen den Schrecken: Wer sitzt, hat Halt, und die Pflegeperson arbeitet auf Augenhöhe statt in gebückter Haltung.
Zur Ausstattung gehören eine Einhand-Thermostatarmatur mit Verbrühschutz (feste Maximaltemperatur), eine Handbrause mit langem Schlauch und Ablagen in Sitzhöhe. Entscheidend ist der Ablauf: Duschen Sie möglichst immer zur gleichen Tageszeit, in der gleichen Reihenfolge, mit der gleichen Wassertemperatur. Und waschen Sie, was gewaschen werden muss – viele Menschen in Stufe 2 kommen mit der Teilwäsche am Waschtisch besser zurecht als mit dem vollen Duschprogramm. Wer sich gegen die Dusche wehrt, ist nicht schmutzig oder böse – er ist überfordert. Pausen, Ablenkung und die bekannte Reihenfolge helfen mehr als jedes Argument.
Sicherheit, die man nicht sieht: Technik und Details
In Stufe 2 entscheidet nicht die große Baumaßnahme allein über die Sicherheit, sondern eine Reihe von Details, die kaum auffallen – und genau deshalb funktionieren:
- Die Tür: Menschen mit Demenz schließen Türen ab und vergessen danach, wie sie aufgehen – Panik ist vorprogrammiert. Entfernen Sie die Innenverriegelung der Badtür oder ersetzen Sie sie durch einen Drehknauf ohne Schloss. Türklinken, die von außen notöffnbar sind, erlauben der Pflegeperson im Notfall den Zugang.
- Gefährliche Dinge wegsperren: Reinigungsmittel, Rasierer, Scheren und Medikamente gehören in einen abschließbaren Schrank – Menschen mit Demenz verwechseln Inhalte und trinken Putzmittel, wenn sie erreichbar sind.
- Das Wasser: Eine Thermostatarmatur mit Verbrühschutz begrenzt die Temperatur zuverlässig; zusätzlich kann die Warmwasserregelung abgesenkt werden, wenn die Armatur allein nicht reicht.
- Der Boden: Rutschhemmende Fliesen (R10, im Nassbereich besser) und keine losen Badvorleger – jeder Teppich wird zur Stolperfalle, sobald er verrutscht oder nass wird.
- Fenster und Ausgang: Bei ausgeprägtem Bewegungsdrang versuchen manche Menschen, die Wohnung zu verlassen – auch im Schlafanzug. Das Badezimmerfenster sollte nicht als „Ausgang“ nutzbar sein (gesicherte Griffe, Öffnungsbegrenzer). Gehört die Wohnungstür zur Weglaufstrecke, berät der Pflegestützpunkt zu sinnvollen Sicherungen.
- Der Spiegel: Manche Betroffene erschrecken vor ihrem Spiegelbild, weil sie es nicht mehr als sich selbst erkennen; andere nutzen den Spiegel bis ins späte Stadium ganz normal. Beobachten Sie, wie Ihr Angehöriger reagiert – ein abgedeckter oder kleiner Spiegel ist im Zweifel die einfachere Lösung als ein großflächiger, der Angst auslöst.
Der Umbau selbst: So gelingt er, ohne zu verwirren
Der häufigste Fehler bei Demenz ist nicht der Umbau an sich, sondern seine Durchführung. Ein Mensch in Stufe 2 erlebt die Bauphase als Einbruch in seinen Alltag: fremde Menschen in der Wohnung, Lärm, Staub, und eines Tages ist das vertraute Bad verschwunden. Mit diesen Regeln bleibt der Umbau beherrschbar:
- Den richtigen Zeitpunkt wählen. Umbauen sollten Sie, solange die Person Veränderungen noch verarbeiten kann – also eher in der frühen Stufe 2 als im Übergang zu Stufe 3. Vermeiden Sie zusätzliche Krisen: nicht parallel zu einem Umzug, nicht direkt nach einem Krankenhausaufenthalt.
- Fachlich begleiten lassen. Eine ergotherapeutische Beratung vor dem Umbau klärt, welche Maßnahmen wirklich nötig sind und wie sie sich in den Alltag einfügen. Ergotherapeuten kennen die demenzspezifischen Fallen, die Handwerker nicht sehen.
- Die Bauzeit kurz halten. Systemlösungen für die Wanne-zur-Dusche-Umstellung sind oft in wenigen Tagen montiert – ein Vorteil, der bei Demenz doppelt zählt. Planen Sie so, dass Dusche oder zumindest die Waschmöglichkeit jeden Tag nutzbar bleiben.
- Die Person einbeziehen, ohne zu überfordern. Erzählen Sie vorher in einfachen Worten, dass das Bad „ein neues Duschbecken“ bekommt, zeigen Sie Bilder, lassen Sie den Handwerker sich vorstellen. Technische Details verwirren – der neue, helle Duschplatz interessiert und beruhigt mehr.
- Nach dem Umbau Vertrautes sofort platzieren. Handtücher, Zahnbürste, Seife, Bademantel: Alles, was vorher einen festen Platz hatte, kommt am ersten Tag an denselben Platz – in der neuen Umgebung. Duschen Sie die ersten Male gemeinsam mit Ihrem Angehörigen, loben Sie, was gut klappt, und nehmen Sie Rücksicht, wenn die erste Reaktion Skepsis ist. Gewöhnung braucht Tage, nicht Minuten.
Pflege im Bad: Der Arbeitsplatz der Angehörigen
In Stufe 2 wird aus dem Bad ein Pflegearbeitsplatz – oft für Menschen, die diesen Job nie gelernt haben. Damit Pflege zu Hause dauerhaft gelingt, braucht das Bad mehr als Hygiene:
- Platz für zwei: Neben Dusche, WC und Waschtisch muss eine zweite Person arbeiten können – zum Halten, Waschen, Umkleiden. Eine Bewegungsfläche von mindestens 120 × 120 cm vor den Stationen ist der Standard, mehr ist bei Pflege besser.
- Ergonomie für den Rücken: Waschen im Sitzen auf einem Duschstuhl mit Rädern spart der Pflegeperson das Bücken; ein höhenverstellbarer Waschtisch oder eine höhenverstellbare Duschlösung schützt langfristig vor Verschleiß. Wer pflegt, muss selbst gesund bleiben – das ist keine Nebensache, sondern Voraussetzung.
- Hygiene-Material griffbereit: Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Waschlotion und Hautpflege lagern im Bad. Mit anerkanntem Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (etwa Handschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen) bis 42 € monatlich[1] (§ 40 Abs. 2 SGB XI).
- Bei Abwehr: Bleiben Sie ruhig, brechen Sie den Versuch ab und kommen Sie später wieder. Waschen in Etappen, Ablenkung durch ein Gespräch oder Musik und die Hilfe einer zweiten Person entschärfen viele Situationen. Körperliche Fixierung oder das gewaltsame Festhalten sind keine Lösungen – sie sind rechtswidrig und traumatisieren. Wer regelmäßig an Grenzen stößt, sollte sich Unterstützung holen: Pflegestützpunkt, ambulanter Pflegedienst, Tagespflege oder eine Demenzberatung.
Was kostet der Umbau – und wer beteiligt sich
Der Umbau der Wanne zur Dusche kostet je nach Ausführung etwa 3.000 bis 8.000 € (Richtwerte ohne Quellenbindung); WC-Erhöhungen, Griffe und Beleuchtung kommen hinzu. Die wichtigsten Finanzierungsbausteine:
- Pflegegrad beantragen (formlos bei der Pflegekasse), wenn Hilfe bei der Körperpflege nötig ist – die Begutachtung übernimmt der Medizinische Dienst.
- Zuschuss der Pflegekasse: Mit anerkanntem Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse den Badumbau mit bis zu 4.180 € je Maßnahme[1] nach § 40 Abs. 4 SGB XI; der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden. Bei mehreren pflegebedürftigen Personen im Haushalt sind bis zu 16.720 €[1] möglich.
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: 42 € monatlich[1] (§ 40 Abs. 2 SGB XI) für Handschuhe, Desinfektion und Bettschutz – ab Pflegegrad 1, bei häuslicher Pflege.
- Entlastungsbetrag: 131 € monatlich[2] (§ 45a SGB XI) können unter anderem für Alltagsbegleitung und Betreuung genutzt werden – er finanziert keine Baumaßnahmen, entlastet aber den Alltag rund um die Pflege.
- KfW: Der Zuschuss 455-B ist seit dem 31.07.2026 gestoppt (2026er-Mittel ausgeschöpft; Stand: September 2026) – neue Anträge werden nicht mehr angenommen[3]. Offene Alternative: der Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ über die Hausbank[4]. Mehr dazu: Förderung & Zuschüsse.
Checkliste: Bad für Demenz Stufe 2
- [ ] Toilette von der Badtür aus sichtbar, tagsüber Tür offen oder Piktogramm angebracht
- [ ] Kontrastreiche WC-Brille, Stützklappgriffe beidseitig, bei Bedarf Sitzerhöhung
- [ ] Nachtlicht auf dem Weg und im Bad (automatisch), freie Wege ohne Stolperfallen
- [ ] Bodengleiche Dusche ohne Vorhang, mit Wandklappsitz und Haltegriff
- [ ] Thermostatarmatur mit Verbrühschutz, Handbrause mit langem Schlauch
- [ ] Innenverriegelung der Badtür entfernt bzw. notöffnbar
- [ ] Reinigungsmittel, Rasierer, Medikamente weggesperrt
- [ ] Rutschhemmende Fliesen, keine losen Teppiche und Vorleger
- [ ] Spiegelwirkung beobachtet und bei Verunsicherung entschärft
- [ ] Ergotherapeutische Beratung vor dem Umbau eingeholt
- [ ] Bauzeit kurz geplant, vertraute Gegenstände direkt nach dem Umbau am gewohnten Platz
- [ ] Pflegegrad beantragt, Zuschussantrag § 40 Abs. 4 SGB XI vor Baubeginn gestellt
- [ ] Pflegehilfsmittel-Pauschale (42 €/Monat) bei der Pflegekasse beantragt
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist „Demenz Stufe 2“?
In der verbreiteten Drei-Stadien-Einteilung (leicht, mittel, schwer) ist Stufe 2 das mittlere Stadium – die mittelgradige Demenz: Alltagshandlungen wie Waschen und Anziehen gelingen nur noch mit Hilfe, die Orientierung lässt auch in vertrauter Umgebung nach. Achtung: Je nach Skala wird anders nummeriert – die GDS-Skala nach Reisberg kennt sieben Stufen, in der „Stufe 2“ sehr leichte Beeinträchtigungen gemeint sind. Prüfen Sie daher immer, welche Einteilung gemeint ist.
Ist ein Badumbau in Stufe 2 noch sinnvoll?
Ja – im Gegenteil: Stufe 2 ist oft das letzte Zeitfenster, in dem ein Umbau gut gelingt. Die Person kann Veränderungen noch verarbeiten, und die Sicherheitsgewinne (Sturzschutz, Verbrühschutz, sichere Tür) sind jetzt am größten. Warten Sie nicht, bis ein Sturz den Umbau erzwingt.
Wie gewöhne ich meinen Angehörigen an die neue Dusche?
Duschen Sie die ersten Male gemeinsam, halten Sie Abläufe, Tageszeit und Temperatur konstant und platzieren Sie vertraute Gegenstände (Handtücher, Seife) sofort an ihren gewohnten Platz. Erklären Sie in einfachen Worten, loben Sie, was gelingt – und brechen Sie ab, wenn die Person überfordert ist. Ein Versuch später ist besser als ein Kampf jetzt.
Was tun, wenn der Angehörige nachts das Bad nicht mehr findet?
Sorgen Sie für automatisches Licht auf dem Weg, halten Sie die Badtür offen und die Toilette sichtbar. Feste Toilettengänge vor dem Schlafengehen reduzieren nächtliche Notfälle. Wenn die Wege nachts trotzdem scheitern, kann ein Toilettenstuhl im Schlafzimmer die sicherste Lösung sein – sprechen Sie mit Pflegedienst oder Ergotherapie.
Wie verhindere ich, dass sich jemand im Bad einsperrt?
Entfernen Sie die Innenverriegelung oder ersetzen Sie sie durch einen notöffnbaren Drehknauf. Türklinken, die von außen zu öffnen sind, verhindern, dass die Person in Panik gerät, wenn sie die Tür nicht mehr aufbekommt. Dauerhaftes Abschließen von außen ist keine Lösung – es ist eine Freiheitsentziehung und nur mit richterlicher Genehmigung zulässig. Beratung gibt der Pflegestützpunkt.
Zahlt die Kasse den Badumbau bei Demenz?
Mit anerkanntem Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse den Umbau mit bis zu 4.180 €[1] je Maßnahme (§ 40 Abs. 4 SGB XI, Antrag vor Baubeginn). Hilfsmittel wie Duschstuhl oder Toilettensitzerhöhung verordnet im Regelfall der Arzt – eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt häufig eine Genehmigung; die Kosten übernimmt sie nach § 33 SGB V[5]. Dazu kommen 42 € monatlich[1] für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.
Fazit
In Stufe 2 der Demenz kollidieren zwei Notwendigkeiten: Das Bad muss sicherer werden, und es muss vertraut bleiben. Die Lösungen liegen selten in der großen Technik, sondern in durchdachten Details – einer Toilette, die man wiederfindet, einer Dusche ohne Schwelle und Vorhang, einer Tür, die sich nicht einsperren lässt, und Abläufen, die jeden Tag gleich sind. Planen Sie den Umbau, solange Ihr Angehöriger Veränderungen noch mitgehen kann, holen Sie ergotherapeutischen Rat ein und nutzen Sie die Zuschüsse der Pflegekasse (bis 4.180 €[1] nach § 40 Abs. 4 SGB XI, Antrag vor Baubeginn). Ein Bad, das Sicherheit gibt, ohne die vertraute Welt zu zerstören, ist eine der wirksamsten Entlastungen – für den Menschen mit Demenz und für die Menschen, die ihn pflegen. Alle Maße und Ausstattungsdetails: Barrierefreies Bad nach DIN 18040.
Quellen
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft, „Infoblatt 1: Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen“ (rund 1,8 Millionen Betroffene, Mehrzahl zu Hause versorgt): https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf
- Alzheimer Forschung Initiative, „Der Verlauf der Demenz: Stadien im Überblick“ (Merkmale des mittleren Stadiums): https://www.alzheimer-forschung.de/demenz/verlauf/
- Alzheimer Deutschland, „Demenz Stadien – Verlauf in 7 Stufen (GDS-Skala)“: https://www.alzheimer-deutschland.de/ueber-alzheimer-demenz/demenz-stadien
- Alzheimer's Association, „Die 7 Stufen der Alzheimer-Krankheit“: https://www.alz.org/de/stadien-der-alzheimer-krankheit.asp
- § 40 SGB XI (Pflegehilfsmittel, 42 €/Monat; wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, 4.180 €/16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
- § 45a SGB XI (Entlastungsbetrag, 131 € monatlich): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45a.html
- KfW, Meldung zum Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026: https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
- KfW, Produktseite Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische oder pflegerische Beratung – bei Fragen zu Diagnose, Pflegegrad und Umgang wenden Sie sich an Hausarzt, Pflegestützpunkt oder eine Demenzberatung. Alle Angaben ohne Gewähr; Förderbedingungen können sich ändern.
Quellennachweise
- § 40 SGB XI (Abs. 2: Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, 42 €/Monat; Abs. 4: Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, bis 4.180 € bzw. 16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html ↩
- § 45a SGB XI (Entlastungsbetrag, 131 € monatlich): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45a.html ↩
- KfW, Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026 (2026er-Mittel ausgeschöpft; keine neuen Anträge; Stand: September 2026): https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html ↩
- KfW, Produktseite Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/ ↩
- § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html ↩
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