Hausnotruf im Bad: Systeme, Kosten und Zuschuss der Pflegekasse (2026)

Von Rainer Brettner, Beratung & Redaktion·Stand: September 2026·ca. 8 Min. Lesezeit

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Sicher und bequem duschen – ohne hohen Wannenrand.

Das Badezimmer ist der gefährlichste Raum der Wohnung: Auf nassen Fliesen oder beim Ein- und Ausstieg aus der Wanne passieren viele Stürze – und gerade dann, wenn niemand in der Nähe ist, wird aus einem Sturz ein Notfall. Ein Hausnotruf sorgt dafür, dass Hilfe per Knopfdruck alarmiert wird, auch von der Dusche oder dem WC aus. Dieser Ratgeber erklärt, welche Systeme es gibt, was sie kosten und wer die Kosten übernimmt – mit aktuellen Zahlen und Quellen. Die passenden Umbauten für ein sicheres Bad finden Sie unter Barrierefreies Bad nach DIN 18040.

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Warum gerade im Bad? Ein Fallbeispiel

Herr K. (79) lebt allein. Beim Duschen rutscht er auf dem nassen Boden aus und stürzt. Er kann sich nicht mehr aufrichten, das Handy liegt im Wohnzimmer. Erst nach einer halben Stunde hört ihn ein Nachbar rufen. Nach diesem Erlebnis installiert die Familie einen Hausnotruf mit wasserdichtem Funksender, den Herr K. auch in der Dusche am Handgelenk trägt, und einen zweiten Sender an der WC-Wand.

Solche Situationen sind der häufigste Grund für einen Hausnotruf. Der Knopfdruck verbindet per Lautsprecher mit einer Notrufzentrale, die rund um die Uhr besetzt ist und Angehörige, Nachbarn oder den Rettungsdienst verständigt – je nach Vereinbarung. Im Bad entscheidend ist ein wasserdichter Sender, der beim Duschen nicht abgelegt werden muss.

Die wichtigsten Systeme im Überblick

System Funktion Geeignet für
Basisgerät + Handsender (Funk)Basisstation am Telefonanschluss oder über Mobilfunk; Alarm per KnopfdruckStandardlösung für die Wohnung
Wasserdichter Funk-HandsenderAlarm auch aus Dusche und Badewanne; meist als Umhängeband, Armband oder KetteMenschen mit Sturzrisiko im Bad
Notrufknopf an der Wand (Dusche/WC)Fest installierter wasserdichter Taster in GriffnäheBäder ohne Steckdose in Griffnähe, als Ergänzung
Sturzerkennung (Sturzmelder)Erkennt Stürze automatisch und löst Alarm ausMenschen mit Sturzgefahr, die den Knopf nicht mehr drücken können
Mobiler Notruf (GPS)Sender mit Ortung für unterwegs und im GartenNutzer, die viel außer Haus sind

Quelle: Übersichten von drk.de und hausnotruf-ratgeber.de.

Ein wichtiger Punkt für das Bad: Der Sender muss spritzwassergeschützt sein und in Griffweite bleiben. Viele Anbieter liefern den Handsender mit wasserdichtem Gehäuse und Umhängeband, damit er beim Duschen nicht auf dem Wannenrand liegt, wo er wegrutschen kann.

Was ein Hausnotruf kostet

Die Kosten setzen sich aus einer monatlichen Grundgebühr und teils einer einmaligen Anschlussgebühr zusammen. Zusatzleistungen wie Schlüsselverwahrung oder Sturzmelder kosten extra. Marktübersicht (Stand 2026):

Leistung Kostenrahmen
Basistarif mit Notrufzentrale (24/7)ca. 25,50–40 € pro Monat
Basistarif ohne Pflegegrad (Selbstzahler)ca. 23–29 € pro Monat
Einmalige Anschlussgebühr0–90 €, je nach Anbieter
Schlüsselverwahrung (Hinterlegung des Hausschlüssels)ca. 4,50–25 € pro Monat oder einmalig 10–103,50 €
Sturzmelder / Zusatzgeräteca. 5–80 € zusätzlich

Quellen: aroundhome.de (Preisübersicht 2026), hausnotruf-ratgeber.de, pflege-panorama.de.

Die Anschlussgebühr entfällt bei vielen Anbietern, wenn die Pflegekasse die Kosten übernimmt – das ist von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich und sollte vor Abschluss geklärt werden.

Zuschuss der Pflegekasse: bis zu 27 € pro Monat

Wer einen anerkannten Pflegegrad (1 bis 5) hat und zu Hause gepflegt wird, kann bei der Pflegekasse einen Zuschuss zum Hausnotruf beantragen. Der Hausnotruf gilt als technisches Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI[1]. Aktuell gelten folgende Beträge:

  • 27,00 € pro Monat als Zuschuss zum Hausnotruf – seit dem 01.04.2026 (vorher 25,50 €). Ob der höhere Betrag übernommen wird, hängt davon ab, ob der Anbieter bereits einen neuen Vertrag mit dem GKV-Spitzenverband geschlossen hat – fragen Sie beim Anbieter nach.
  • 10,49 € einmalig für Installation, Lieferung und Einweisung.

Quellen: DRK e.V. (Basistarif 27 €, Übernahme durch die Pflegekasse bei Pflegegrad), pflegeabc.de (Erhöhung auf bis zu 27 € seit 01.04.2026), mein-hausnotruf.com.

Der Basistarif liegt bei fast allen Anbietern genau in dieser Größenordnung – mit Pflegegrad bleibt der Basistarif dadurch meist kostenlos oder mit geringem Eigenanteil. Voraussetzungen laut GKV-Spitzenverband: Pflegebedürftigkeit (mindestens Pflegegrad 1), häusliche Pflege und der Beitrag des Notrufs zur Erleichterung der Pflege oder zur selbstständigen Lebensführung (§ 40 Abs. 1 SGB XI)[1]. Der Antrag läuft über die Pflegekasse, nicht über den Anbieter – die Anbieter helfen aber bei der Antragstellung.

Was übernimmt die Krankenkasse?

Die gesetzliche Krankenkasse (SGB V) übernimmt den Hausnotruf in der Regel nicht als Regelleistung. Menschen ohne Pflegegrad zahlen die Kosten komplett selbst – darauf weist auch die AOK hin. Einzelne Krankenkassen bieten allerdings Zuschüsse als Satzungsleistung an; Höhe und Bedingungen unterscheiden sich von Kasse zu Kasse. Fragen Sie bei Ihrer Kasse direkt nach, bevor Sie einen Vertrag abschließen. Quelle: aok.de (Hausnotruf: Kosten ohne Pflegegrad selbst zu tragen).

Auch die private Unfallversicherung oder Pflegezusatzversicherungen können je nach Tarif Hausnotruf-Kosten bezuschussen – auch hier lohnt der Blick in den Vertrag.

Hausnotruf und Badumbau: sinnvoll kombinieren

Wer ohnehin plant, das Bad sicherer zu machen, sollte den Hausnotruf gleich mitdenken – die Kombination ist unkompliziert und spart später Nachrüsterei:

  • Wandtaster einplanen: Bei Fliesenarbeiten lassen sich wasserdichte Notruftaster in Griffnähe von Dusche und WC unauffällig integrieren. Nachträglich geht das auch, aber seltener so sauber.
  • Haltegriffe als Kombilösung: Haltegriffe, Duschsitz und der Notrufknopf gehören im seniorengerechten Bad zusammen – alles an einem Platz, der im Notfall erreichbar ist.
  • Förderung getrennt beantragen: Der Badumbau läuft über den Zuschuss nach § 40 Abs. 4 SGB XI (bis 4.180 €[1], Antrag vor Baubeginn), der Hausnotruf über den monatlichen Zuschuss nach § 40 SGB XI (bis 27 €). Beides sind getrennte Leistungen – stellen Sie beide Anträge bei Ihrer Pflegekasse.

So entsteht aus Einzelmaßnahmen ein rundes Sicherheitspaket: weniger Sturzrisiko durch den Umbau, schnelle Hilfe im Notfall durch den Hausnotruf.

So richten Sie den Hausnotruf ein: Ablauf in 5 Schritten

  1. Anbieter vergleichen: Johanniter, DRK, Malteser, ASB oder private Anbieter – achten Sie auf den Basistarif, die Anschlussgebühr und die Erreichbarkeit der Zentrale.
  2. Pflegegrad und Zuschuss klären: Liegt ein Pflegegrad vor, den Zuschuss (27 €/Monat, 10,49 € einmalig) bei der Pflegekasse beantragen – formlos mit dem Angebot des Anbieters.
  3. Vertrag schließen: Bestätigung des Zuschusses abwarten und die Kostenübernahme an den Anbieter abtreten oder sich die Beträge erstatten lassen.
  4. Einbau und Einweisung: Der Anbieter installiert das Basisgerät, richtet den wasserdichten Handsender ein und erklärt die Bedienung.
  5. Notfall-Kette festlegen: Hinterlegte Schlüssel, Kontaktpersonen und die Reihenfolge der Benachrichtigung (Angehörige → Rettungsdienst) schriftlich festhalten.

Checkliste: Hausnotruf fürs Bad

  • [ ] Sturzrisiko im Bad ehrlich eingeschätzt (Dusche, Wanne, WC)
  • [ ] Wasserdichter Handsender inklusive (nicht nur Basisgerät)
  • [ ] Zweiter Sender oder Wandtaster für Dusche/WC eingeplant
  • [ ] Anbieter verglichen: Basistarif, Anschlussgebühr, Zentralen-Erreichbarkeit
  • [ ] Pflegegrad-Status geprüft (vorhanden oder beantragt?)
  • [ ] Zuschuss bei der Pflegekasse beantragt (§ 40 SGB XI, bis 27 €/Monat)
  • [ ] Krankenkasse nach Satzungsleistungen gefragt
  • [ ] Notfall-Kette festgelegt (Schlüssel, Kontaktpersonen, Benachrichtigungsreihenfolge)
  • [ ] Batterien/Akkulaufzeit des Senders bekannt und Ersatz geregelt

Fragen und Antworten

Funktioniert der Hausnotruf auch in der Dusche?

Ja, wenn der Sender wasserdicht (spritzwassergeschützt) ist und Sie ihn beim Duschen am Körper tragen oder ein wasserdichter Wandtaster in Griffnähe montiert ist. Fragen Sie beim Anbieter explizit nach der Schutzart des Senders.

Wie viel kostet der Hausnotruf mit Pflegegrad?

Der Basistarif liegt bei 25,50–40 € pro Monat, die Pflegekasse übernimmt bis zu 27 € (Stand 2026) plus 10,49 € einmalig für Installation. In vielen Fällen bleibt der Basistarif damit kostenlos.

Bekomme ich den Zuschuss auch ohne Pflegegrad?

Nein. Der Zuschuss der Pflegekasse nach § 40 SGB XI[1] setzt mindestens Pflegegrad 1 voraus. Ohne Pflegegrad bleibt nur die Frage nach Satzungsleistungen der Krankenkasse oder die Selbstzahlung (ca. 23–29 €/Monat).

Kann ich den Hausnotruf nachträglich in ein umgebautes Bad integrieren?

In der Regel ja. Der wasserdichte Handsender ist mobil; feste Wandtaster lassen sich bei Fliesenarbeiten unauffällig integrieren. Sinnvoll ist, die Position des Tasters (Griffnähe an Dusche und WC) schon beim Badumbau zu planen.

Übernimmt die Pflegekasse auch den Sturzmelder?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von der ärztlichen oder pflegerischen Notwendigkeit ab. Klären Sie Zusatzgeräte vor dem Kauf schriftlich mit der Pflegekasse.

Was passiert, wenn der Sender nicht gedrückt werden kann?

Systeme mit Sturzerkennung lösen den Alarm automatisch aus, wenn ein Sturz erkannt wird. Sie sind teurer als der Basistarif, aber für Menschen mit hoher Sturzgefahr eine sinnvolle Ergänzung. Sprechen Sie das mit dem Anbieter und dem Hausarzt ab.

Fazit

Ein Hausnotruf ist die einfachste Sofortmaßnahme gegen die Folgen eines Sturzes im Bad: wasserdichter Sender, Basisgerät und eine Notrufzentrale, die rund um die Uhr erreichbar ist. Die Kosten liegen im Basistarif bei etwa 25 bis 40 € im Monat – mit Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse bis zu 27 € (Stand 2026) und damit in der Regel den kompletten Basistarif. Beantragen Sie den Zuschuss bei der Pflegekasse, fragen Sie beim Anbieter nach dem aktuellen Vertrag mit dem GKV-Spitzenverband und planen Sie den Sender bei einem Badumbau gleich mit ein. Mehr zum Thema sicheres Bad finden Sie unter Barrierefreies Bad nach DIN 18040.

Quellen

  • DRK e.V., „Hausnotruf – Hilfe auf Knopfdruck“ (Basistarif 27 €, Übernahme durch Pflegekasse bei Pflegegrad): https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/senioren/altersgerechtes-wohnen/hausnotruf
  • pflegeabc.de, „Hausnotruf: Darauf sollten Sie achten“ (Erhöhung auf bis zu 27 € seit 01.04.2026, GKV-Spitzenverband-Verträge): https://www.pflegeabc.de/blog/hausnotruf
  • mein-hausnotruf.com, „Hausnotruf: Kostenübernahme durch die Pflegekasse“ (bis 27 €/Monat, § 40 SGB XI): https://www.mein-hausnotruf.com/wissen/kostenuebernahme-durch-die-pflegekasse
  • AOK, „Hausnotruf“ (Kosten ohne Pflegegrad selbst zu tragen): https://www.aok.de/pk/pflegeleistungen/hausnotruf
  • aroundhome.de, „Hausnotruf-Kosten – Preise 2026“ (Basistarif 25,50–35 €, Anschlussgebühr 0–90 €): https://www.aroundhome.de/notrufsystem/preise
  • hausnotruf-ratgeber.de, „Hausnotruf Kosten 2026“ (25,50 €/Monat, Selbstzahler 23–29 €, Schlüsselverwahrung): https://www.hausnotruf-ratgeber.de/hausnotruf-kosten/
  • § 40 SGB XI (Pflegehilfsmittel und technische Hilfsmittel): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html

Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Zuschusshöhen und Verträge der Anbieter können sich ändern. Aktuelle Konditionen vor Abschluss bei Pflegekasse und Anbieter prüfen.

Quellennachweise

  1. § 40 SGB XI (Zuschüsse für Pflegehilfsmittel/technische Hilfsmittel; Abs. 4: wohnumfeldverbessernde Maßnahmen): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html

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