Badumbau nach Parkinson: Zeitfenster, Sturzrisiko und sichere Dusche (2026)

Von Rainer Brettner, Beratung & Redaktion·Stand: September 2026·ca. 15 Min. Lesezeit

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Sicher und bequem duschen – ohne hohen Wannenrand.

In Deutschland leben bis zu 400.000 Menschen mit Parkinson (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen, DPG). Die Erkrankung beginnt schleichend – und genau darin liegt die Chance, die viele verpassen: Anders als nach einem Schlaganfall oder einer Operation gibt es bei Parkinson keinen festen Zeitpunkt, an dem ein Umbau „nach der Reha" nötig wird. Es gibt nur ein Zeitfenster, in dem er noch leicht fällt: solange Bewegung, Entscheidungsfähigkeit und Belastbarkeit es zulassen. Dieser Ratgeber erklärt, wie sich die typischen Parkinson-Symptome auf Motorik und Sturzrisiko im Bad auswirken, wann der richtige Moment für den Umbau ist und wie Sie das Bad so planen, dass es auch in zehn Jahren noch trägt.

Unsicher, was reicht? Haltegriff, Duschsitz oder Umbau – hier kostenlos beraten lassen.

Was Parkinson mit Bewegung und Gleichgewicht macht

Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin steuert die Feinabstimmung von Bewegungen – fehlt es, werden Bewegungen langsamer, steifer und ungenauer (Quelle: NDR Ratgeber Gesundheit, dPV). Vier Symptomgruppen prägen den Alltag, und alle vier betreffen das Bad direkt:

  • Bradykinese (Bewegungsverlangsamung): Jede Bewegung dauert länger. Was früher 15 Minuten dauerte, dauert 40. Das Übersteigen eines Wannenrands wird zu einer langsamen, kräfteraubenden Aktion, bei der das Gleichgewicht auf einer Körperseite gehalten werden muss.
  • Rigor (Muskelsteifigkeit): Arme und Beine fühlen sich schwer und starr an. Das Anheben des Beins über den Wannenrand ist nicht nur mühsam – die Steifigkeit macht die Bewegung ruckartig und schlecht dosierbar.
  • Tremor (Zittern): Das Zittern betrifft häufig die Hände. Das Regulieren der Armatur, das Öffnen von Verschlüssen und das Halten von Pflegeprodukten wird unsicher. Heißes Wasser lässt sich mit zitternden Händen schwerer fein dosieren – die Verbrühungsgefahr steigt.
  • Posturale Instabilität (Haltungsstörung) und Freezing: Im späteren Verlauf verschlechtert sich der aufrechte Gang, und die Betroffenen „kleben" plötzlich am Boden fest – oft genau an Engstellen wie Türschwellen oder beim Drehen. Ein plötzliches Freezing mitten im Ausstieg aus der Wanne endet häufig im Sturz.

Hinzu kommt ein für Parkinson typisches Phänomen, das viele Angehörige unterschätzen: die schwankende Wirkung der Medikamente. In „On-Phasen" bewegen sich Betroffene fast normal, in „Off-Phasen" – vor der nächsten Tabletteneinnahme – kehren Steifigkeit und Verlangsamung zurück. Wer sich in einer Off-Phase ins Bad begibt, bewegt sich auf dem Niveau einer deutlich schwereren Erkrankung. Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen weist in ihrer aktuellen Leitlinien-Presseinformation darauf hin, dass die Therapie bislang nur symptomatisch wirkt und die Erkrankung fortschreitet – das Bad muss also für den schlechtesten Tageszeitpunkt ausgelegt sein, nicht für den besten (Quelle: DPG, S2k-Leitlinie Parkinson 2023).

Warum das Bad zur gefährlichsten Zone der Wohnung wird

Stürze sind bei Parkinson keine Randerscheinung, sondern ein zentrales Risiko: Die Kombination aus verlangsamten Ausgleichsbewegungen, steifen Gelenken und Freezing führt dazu, dass Betroffene stürzen, wenn sie sich drehen, über Schwellen steigen oder aus dem Stand aufrichten. Das Bad vereint alle drei Auslöser auf wenigen Quadratmetern – und es ist der einzige Raum, in dem Menschen regelmäßig barfuß auf nassem Untergrund stehen und sich dabei noch ausziehen.

Die typischen Sturzsituationen im Parkinson-Bad:

  1. Der Ausstieg aus der Badewanne. Er verlangt: Aufstehen aus tiefer Position, Drehen, ein Bein über den Rand heben, auf nassem Boden landen. Vier Bewegungen, die bei Parkinson genau die Schwachstellen treffen.
  2. Das Drehen in der Dusche. Ohne Haltegriff fehlt beim Drehen der Bezugspunkt; die Ausgleichsbewegung kommt zu spät.
  3. Der nächtliche Toilettengang. Nachts wirken die Medikamente oft nach, die nächtliche Akinese (Bewegungsarmut) ist ausgeprägt, und im Dunkeln fehlt die Orientierung. Viele Parkinson-Stürze passieren zwischen Schlafzimmer und Bad.
  4. Freezing an der Badezimmertür. Schwellen und schmale Türen sind klassische Freezing-Trigger. Wer mit dem Rollator kommt, bleibt zusätzlich an Türzargen hängen.

Die Folge eines Sturzes ist bei Parkinson besonders schwerwiegend: Ein Oberschenkelhalsbruch bedeutet Wochen der Immobilität, und jede längere Immobilität lässt Muskulatur und Gangbild weiter abbauen – ein Teufelskreis, der den Krankheitsverlauf spürbar beschleunigen kann. Hinzu kommt: Nach einem Sturz verlieren viele Betroffene das Vertrauen in den eigenen Körper, duschen seltener oder nur noch mit Hilfe – ein stiller Verlust an Lebensqualität, der sich in Zahlen nicht abbildet.

Das Zeitfenster: Warum Sie nicht warten sollten, bis der Sturz passiert

Bei anderen Krankheitsbildern lautet die Empfehlung „erst Reha, dann Umbau". Bei Parkinson gilt eine andere Logik, und sie ist für die Planung entscheidend:

Parkinson ist fortschreitend. Die Einschränkungen werden nicht besser, sie werden über Jahre hinweg mehr. Wer den Umbau aufschiebt, bis der Wannenrand wirklich nicht mehr zu überwinden ist, hat drei Probleme gleichzeitig: Der Körper verträgt die Bauphase schlechter, der Pflegegrad – und damit der Zuschuss – ist zwar da, aber die Auswahl an Lösungen schrumpft, weil schwere Einschränkungen mehr Komfort verlangen. Wer umbaut, während die Beweglichkeit noch einigermaßen erhalten ist, kann die Lösung am eigenen Körper testen und sie gemeinsam mit dem Betroffenen auswählen.

Dazu kommt ein zweiter, oft übersehener Punkt: die Mitbestimmung. Im späteren Verlauf können Denkleistung und Urteilsfähigkeit nachlassen – eine Parkinson-Demenz tritt nicht bei allen, aber bei einem erheblichen Teil der Betroffenen im fortgeschrittenen Stadium auf (Quelle: NDR Ratgeber Gesundheit). Ein Badumbau, den der Betroffene noch selbst mitentscheidet und mitplant, ist ein anderer Eingriff als ein Umbau, der später über seinen Kopf hinweg entschieden werden muss. Selbstständigkeit im Bad ist für viele Parkinson-Patienten eines der letzten großen Autonomie-Felder – es früh zu sichern, ist auch psychologisch wertvoll.

Das bedeutet konkret: Das Zeitfenster öffnet sich mit der Diagnose. Sinnvoll ist der Umbau, sobald sich erste Alltagsprobleme zeigen – Schwierigkeiten beim Ein- und Aussteigen, Unsicherheit beim Duschen, ein Beinahe-Sturz – oder wenn der Neurologe eine fortschreitende Gangstörung feststellt. Ideal ist ein Zeitpunkt, an dem der Betroffene noch selbst duschen und am Planungsgespräch teilnehmen kann, aber die Symptome schon erkennbar das Bad betreffen.

Eine gute Faustregel aus der ergotherapeutischen Praxis: Planen Sie den Umbau so, als wäre der Zustand von heute der beste Zustand, den Sie je wieder haben werden. Alles, was heute knapp machbar ist, wird in ein bis zwei Jahren nicht mehr machbar sein. Diese Planungsphilosophie unterscheidet den Parkinson-Umbau von allen anderen.

Den richtigen Zeitpunkt bestimmen: Kriterien für die Entscheidung

Wann genau ist es so weit? Diese fünf Fragen helfen, den Moment zu erkennen:

  1. Besteht Unsicherheit beim Duschen? Klammern sich Betroffene beim Ein- und Aussteigen fest, zögern sie vor der Dusche oder rufen sie häufiger als früher nach Hilfe – dann ist der Leidensdruck da.
  2. Gab es einen Beinahe-Sturz oder Sturz im Bad? Nach dem ersten Ereignis ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren erhöht. Nicht abwarten, handeln.
  3. Verändert sich das Gangbild? Kleinere Schritte, nach vorne gebeugte Haltung, unsicheres Drehen – der Neurologe kann den Verlauf einschätzen und eine Empfehlung geben, wann das Bad angepasst werden sollte.
  4. Steht ein größerer Eingriff an? Wer ohnehin Fliesen, Armaturen oder Sanitär erneuert, sollte die Barrierefreiheit gleich mitplanen – die Mehrkosten sind dann deutlich geringer als bei einem späteren Alleingang.
  5. Ist die Entscheidungsfähigkeit noch voll da? Solange der Betroffene Wünsche äußern und Lösungen abwägen kann, ist die Planung partnerschaftlich möglich.

Wer diese Fragen mit „ja" beantwortet, sollte nicht mehr lange zögern. Der Umbau selbst ist mit Systemlösungen in wenigen Tagen erledigt – die eigentliche Zeit braucht die Planung: Pflegegrad-Antrag, Angebote, Zuschuss-Bescheid.

Der Umbau: Was im Parkinson-Bad wirklich zählt

Viele Maßnahmen ähneln denen bei anderen Erkrankungen – aber die Begründung und die Ausführung unterscheiden sich. Das Parkinson-Bad braucht:

  • Bodengleiche Dusche statt Badewanne. Der schwellenlose Einstieg entfernt die gefährlichste Einzelbarriere: kein Bein mehr heben, keine Freezing-auslösende Kante, kein Drehen auf der Wannenkante. Details: Wanne zur Dusche umbauen.
  • Haltegriffe beidseitig – auch an ungewöhnlichen Stellen. Nach einem Schlaganfall genügt oft die gesunde Seite. Bei Parkinson ist die Symptomatik zwar häufig einseitig betont, die Haltungsinstabilität und das Freezing betreffen aber beide Seiten. Griffe gehören an den Duscheinstieg, in die Duschzone, an WC und Waschtisch – und auf dem Weg dorthin, denn der Weg vom Schlafzimmer ins Bad ist bei Parkinson nachts die gefährlichste Strecke.
  • Ein Duschplatz zum Sitzen, der nicht wie ein „Krankenmöbel" aussieht. Ein fester Wandklappsitz oder ein Duschstuhl mit Armlehnen erlaubt das Waschen im Sitzen in Off-Phasen. Die Armlehnen sind der entscheidende Unterschied zur Arthrose- oder OP-Situation: Sie geben Halt beim Absetzen und Aufrichten, wenn die Hüftstreckung nicht mehr sauber funktioniert.
  • Handbrause an einer Brausestange. Sie lässt sich im Sitzen und Stehen nutzen, und die Stange hält sie in Griffhöhe – wichtig, wenn das Zittern das Halten schwerer Gegenstände erschwert.
  • Thermostatarmatur mit Verbrühschutz. Bei Tremor und verlangsamter Reaktion ist die Gefahr groß, versehentlich zu heißes Wasser zu erwischen. Eine fest begrenzte Maximaltemperatur (Verbrühschutz) verhindert das.
  • Rutschhemmende Fliesen (R10 oder besser) und keine losen Teppiche. Im gesamten Bad, nicht nur in der Dusche – Parkinson-Betroffene laufen auch auf dem Weg zum Waschtisch barfuß.
  • Bewegungsfläche statt Möbelmeer. Nach DIN 18040-2 sind für barrierefreies Bauen Bewegungsflächen von mindestens 120 × 120 cm vorgesehen – Platz, den ein Rollator oder später ein Rollstuhl braucht. Ausführlich: „Barrierefreies Bad nach DIN 18040-2".
  • Helle, schattenarme Beleuchtung mit Nachtlicht. Parkinson-Patienten orientieren sich stark über visuelle Kontraste – und stürzen nachts im Dunkeln. Ein automatisches Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette ist eine der billigsten und wirksamsten Maßnahmen überhaupt.
  • Keine Stolperkanten, keine offenen Kabel, feste Ablagen auf Griffhöhe. Jede Bückbewegung ist bei Rigor und Haltungsinstabilität ein Sturzrisiko.

Ein Detail, das in der Planung oft untergeht: die Tür. Klassische Drehflügeltüren ins Bad sind mit Rollator oder Rollstuhl ein Hindernis und ein Freezing-Trigger. Wo möglich, sollte die Tür nach außen öffnen oder als Schiebetür ausgeführt werden. Das ist im Rahmen eines Umbaus meist einfacher umzusetzen als gedacht und macht den Unterschied zwischen „irgendwie erreichbar" und „sicher erreichbar".

Duschen im Alltag: Strategien für Tremor, Off-Phasen und Freezing

Der Umbau schafft die Voraussetzungen – der Alltag braucht zusätzlich Strategien, die Betroffene und Angehörige kennen sollten:

  • Duschen in die On-Phase legen. Wer morgens nach der Medikamenteneinnahme ein Zeitfenster guter Beweglichkeit hat, sollte duschen, wenn die Wirkung da ist – nicht erst abends, wenn die Wirkung nachlässt. Klingt banal, verändert aber den gesamten Tagesablauf.
  • Im Sitzen duschen, wenn es unsicher wird. Es ist kein Rückschritt, sondern kluge Krafteinteilung: Wer im Sitzen duscht, spart die Energie, die er für den Rest des Tages braucht. Viele Betroffene duschen im Sitzen, obwohl sie stehen könnten – und haben danach mehr Kraft für Spaziergang und Therapie.
  • Rituale gegen Freezing. Kommt das Freezing – etwa an der Duschkante oder beim Verlassen der Dusche –, hilft es nicht, zu drängen. Bewährt haben sich kleine Tricks wie ein Schritt zur Seite, ein Takt vorgeben („links, rechts") oder einen Punkt am Boden anvisieren. Ergotherapeuten üben solche Strategien gezielt ein.
  • Sicherheitsnetz spannen. Ein Hausnotruf (bei Pflegegrad von der Pflegekasse unterstützt) oder ein Notrufknopf in Griffnähe der Dusche gibt Sicherheit – für den Betroffenen und für Angehörige, die nicht jede Dusche begleiten können.
  • Waschen im Sitzen üben. Wer früh – noch in der „komfortablen" Phase – lernt, sich im Sitzen zu waschen, tut sich später leichter. Das ist keine Kapitulation, sondern dieselbe Logik wie beim Umbau: Fähigkeiten, die heute spielerisch erworben werden, bleiben morgen erhalten.

Kosten, Förderung und wer mitredet

Ein Badumbau bei Parkinson kostet dasselbe wie jeder andere – die Richtwerte liegen je nach Ausführung zwischen rund 3.000 € für eine Systemlösung und bis zu 10.000 € für eine barrierefreie Komplettlösung nach DIN 18040-2 (Richtwerte ohne Quellenbindung, Stand 2026). Auch die Förderwege sind dieselben, aber die Parkinson-spezifische Reihenfolge ist wichtig:

  1. Pflegegrad früh beantragen, nicht erst im Notfall. Viele Parkinson-Betroffene haben Anspruch auf einen Pflegegrad – oft schon in einem Stadium, in dem sie selbst noch gar nicht „pflegebedürftig" im Alltagssprachgebrauch sind. Der Antrag ist formlos bei der Pflegekasse möglich; begutachtet wird vom Medizinischen Dienst. Voraussetzung: Die Beeinträchtigung besteht voraussichtlich länger als sechs Monate (§ 14 SGB XI)[1] – bei einer fortschreitenden Erkrankung wie Parkinson ist das in der Regel erfüllt. Wichtig: Auch mit Pflegegrad 1 ist der Zuschuss für den Badumbau möglich. Ein Leitfaden: „Pflegegrad beantragen".
  2. Zuschuss der Pflegekasse sichern. Mit anerkanntem Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.180 € je Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI[2] – der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden (Quelle: gesetze-im-internet.de). Bei mehreren pflegebedürftigen Personen im Haushalt sind bis zu 16.720 € möglich[2].
  3. Hilfsmittel parallel nutzen. Duschhocker, Duschstuhl oder Toilettensitzerhöhung gibt es im Regelfall mit ärztlicher Verordnung; eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt jedoch häufig eine Genehmigung. Übernommen werden sie als Hilfsmittel nach § 33 SGB V[3] (Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen"). Das gilt auch schon vor dem Umbau – kein Grund, die Übergangszeit unsicher zu überbrücken.
  4. 455-B gestoppt – Kredit 159 als Alternative. Der Zuschuss 455-B (Barrierereduzierung) ist seit dem 31.07.2026 gestoppt: Die 2026er-Mittel sind ausgeschöpft, neue Anträge werden nicht mehr angenommen[4] (Stand: September 2026). Als offene Alternative steht der Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen" über die Hausbank bereit[5].
  5. Steuer sparen. Die Arbeitskosten des Handwerkers lassen sich als Handwerkerleistung nach § 35a EStG zu 20 % (bis 1.200 € im Jahr) von der Steuer absetzen[6] – die Rechnung sollte den Lohnanteil getrennt ausweisen.

Wer mitredet, ist bei Parkinson klar geregelt: Neurologe, Ergotherapeut und Physiotherapeut kennen den voraussichtlichen Verlauf und den konkreten Bewegungsbedarf. Eine ergotherapeutische Wohnraumberatung – häufig im Rahmen einer verordneten Ergotherapie möglich – ist die beste Grundlage für die Planung, weil sie Bewegungen im realen Bad beurteilt, nicht am Reißbrett. Die Deutsche Parkinson Vereinigung (dPV) berät außerdem kostenlos zu Alltagsfragen und vermittelt regionale Kontakte (Quelle: parkinson-vereinigung.de).

Checkliste: Badumbau bei Parkinson

  • [ ] Neurologe um Einschätzung des Krankheitsverlaufs gebeten
  • [ ] Ergotherapeutische Wohnraumberatung durchgeführt
  • [ ] Pflegegrad-Antrag gestellt (formlos bei der Pflegekasse), auch bei Pflegegrad 1
  • [ ] Duschhocker/Duschstuhl auf Rezept (§ 33 SGB V) beantragt
  • [ ] Bodengleiche Dusche geplant, Bewegungsfläche für Rollator geprüft
  • [ ] Haltegriffe beidseitig an Dusche, WC, Waschtisch und Flurweg eingeplant
  • [ ] Wandklappsitz oder Duschstuhl mit Armlehnen vorgesehen
  • [ ] Thermostatarmatur mit Verbrühschutz eingeplant
  • [ ] Rutschhemmende Fliesen (R10), keine Teppiche
  • [ ] Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette installiert
  • [ ] Zuschussantrag nach § 40 SGB XI vor Baubeginn gestellt
  • [ ] KfW-Förderung geklärt (455-B seit 31.07.2026 gestoppt, Kredit 159 als Alternative)

Fragen und Antworten

Soll man bei Parkinson früh umbauen oder abwarten?

Früh – aber nicht überstürzt. Weil Parkinson fortschreitet, ist der beste Zeitpunkt erreicht, sobald sich Unsicherheiten im Bad zeigen, noch bevor der erste Sturz passiert. Dann kann der Betroffene die Lösung mitentscheiden und mitgestalten.

Ist ein Duschstuhl oder ein Wandklappsitz besser?

Ein höhenverstellbarer Duschstuhl mit Armlehnen ist flexibler und gibt Halt beim Hinsetzen und Aufstehen; ein Wandklappsitz spart Platz und steht immer an der richtigen Stelle. Beides kombiniert mit Haltegriffen ist die sicherste Lösung – die Entscheidung hängt von Badgröße und Beweglichkeit ab.

Bekommt man bei Parkinson automatisch einen Pflegegrad?

Nein. Der Pflegegrad muss beantragt werden; der Medizinische Dienst begutachtet den Hilfebedarf. Bei einer fortschreitenden Erkrankung ist die Voraussetzung „länger als sechs Monate" meist erfüllt[1] – auch wer zu Hause versorgt wird und sich vieles noch selbst zutraut, sollte den Antrag nicht scheuen.

Wie hoch ist der Zuschuss der Pflegekasse?

Bis zu 4.180 € je Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI[2] bei anerkanntem Pflegegrad; bei mehreren Berechtigten im Haushalt bis zu 16.720 €[2]. Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden.

Was tun, wenn jemand in der Dusche stürzt oder „einfriert"?

Nicht anfassen und hochziehen – das verletzt oft beide. Ruhe bewahren, dem Betroffenen Zeit geben, notfalls Hilfe holen. Gegen Freezing hilft ein ruhiger Takt oder ein anvisierter Punkt am Boden; Ergotherapeuten üben solche Strategien. Ein Hausnotruf in Griffnähe verkürzt die Hilfezeit im Ernstfall.

Kann man mit Parkinson in der Badewanne baden?

Solange der Einstieg gelingt, spricht nichts gegen Wannenbäder – aber der Einstieg ist genau das Risiko. Wannentüren senken die Einstiegshürde; für viele Betroffene ist die bodengleiche Dusche langfristig die sicherere Lösung, weil kein tiefer Einstieg und kein Aufstehen aus niedriger Position nötig ist.

Fazit

Der Badumbau bei Parkinson gehorcht einer eigenen Zeitlogik: Wer wartet, bis der Sturz passiert, hat den günstigsten Moment verpasst. Die Diagnose ist der Startpunkt der Planung – nicht der Endpunkt. Bodengleiche Dusche, Haltegriffe beidseitig, ein Duschplatz mit Armlehnen, Verbrühschutz und gutes Licht beantworten die Fragen, die Motorik, Off-Phasen und Sturzrisiko stellen. Beantragen Sie den Pflegegrad früh, sichern Sie den Zuschuss von bis zu 4.180 € nach § 40 SGB XI[2] vor Baubeginn und lassen Sie sich von Neurologie und Ergotherapie begleiten. Das Ziel ist nicht ein „behindertengerechtes" Bad – sondern ein Bad, in dem ein Mensch mit Parkinson so lange wie möglich selbstbestimmt duschen kann. Alle Details zur Planung: Barrierefreies Bad nach DIN 18040.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG), Pressemeldung zur S2k-Leitlinie Parkinson („bis zu 400.000 Menschen mit Parkinson in Deutschland", Therapie wirkt symptomatisch): https://www.parkinson-gesellschaft.de/die-dpg/presseservice/pressemeldungen/199-neue-leitlinie-zur-diagnose-und-therapie-der-parkinson-krankheit-frueherkennung-und-genetik-im-fokus-der-forschung
  • NDR Ratgeber Gesundheit, „Parkinson: Symptome, Verlauf, Ursachen und Therapie" (Symptomatik, Parkinson-Demenz, Therapie): https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Parkinson-Symptome-Verlauf-und-Ursachen,parkinson121.html
  • Deutsche Parkinson Vereinigung e. V. (dPV), Beratung und regionale Unterstützung: https://www.parkinson-vereinigung.de
  • § 40 Abs. 4 SGB XI (Zuschuss wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, 4.180 € / 16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  • § 14 SGB XI (Pflegebedürftigkeit, voraussichtlich länger als sechs Monate): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__14.html
  • § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung), § 35a EStG (Handwerkerleistungen): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  • KfW, Meldung zum Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026 und Produktseite Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen": https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
  • DIN 18040-2 (Barrierefreies Bauen – Wohnungen), Richtwerte zur Planung barrierefreier Bäder

Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Preise sind Richtwerte, Förderbedingungen können sich ändern. Dieser Text ersetzt keine individuelle medizinische Beratung – stimmen Sie Umbaumaßnahmen und Zeitpunkt mit dem behandelnden Neurologen und Therapeuten ab.

Quellennachweise

  1. § 14 SGB XI (Pflegebedürftigkeit, voraussichtlich länger als sechs Monate): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__14.html
  2. § 40 Abs. 4 SGB XI (wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, Zuschuss bis 4.180 € bzw. 16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  3. § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung, im Regelfall mit Verordnung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  4. KfW, Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026 (Stand: September 2026): https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
  5. KfW, Produktseite Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ (weiterhin offen; Stand: September 2026): https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/F%C3%B6rderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
  6. § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen, 20 % der Arbeitskosten, max. 1.200 €/Jahr): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html

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