Badumbau bei Inkontinenz: Hygiene, Materialien und Zuschüsse (2026)

Von Rainer Brettner, Beratung & Redaktion·Stand: September 2026·ca. 15 Min. Lesezeit

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Sicher und bequem duschen – ohne hohen Wannenrand.

Nach Schätzung der Deutschen Kontinenz Gesellschaft leben in Deutschland rund zehn Millionen Menschen mit Harn- oder Stuhlinkontinenz – etwa jede neunte Person, deutlich mehr als allgemein angenommen wird (Quelle: Deutsche Kontinenz Gesellschaft). Inkontinenz ist keine Randerscheinung des Alters, sondern eine häufige, in vielen Fällen behandelbare Erkrankung. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist sie vor allem eines: eine tägliche organisatorische Aufgabe, die sich zu einem großen Teil im Bad abspielt. Nächtliche Wege zur Toilette, Materialwechsel, Intimhygiene, Waschen und das Vermeiden von Geruch – das Bad entscheidet mit, ob dieser Alltag gelingt oder zur täglichen Belastung wird. Dieser Ratgeber zeigt, wie Dusche, WC, Materialien und Abläufe bei Inkontinenz geplant werden, welche Hilfsmittel sofort helfen und welche Kosten Krankenkasse, Pflegekasse und Steuererklärung übernehmen.

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Was Inkontinenz im Bad konkret verändert

Wer inkontinent ist, stellt an das Bad andere Anforderungen als jemand, der das WC nur gelegentlich nutzt. Drei Punkte bestimmen die Planung:

  • Der Weg wird zum Risiko. Viele Betroffene müssen nachts auf die Toilette, oft mehrmals. Der Weg im Dunkeln – über Teppichkanten, Türschwellen, vorbei an Wannenrändern – ist eine klassische Sturzstrecke. Ein Sturz mit Oberschenkelhalsbruch wäre bei älteren Menschen deutlich schwerwiegender als die Inkontinenz selbst.
  • Das WC wird zum Arbeitsplatz. Aufstehen und Hinsetzen müssen ohne fremde Hilfe gelingen, der Wechsel des Inkontinenzmaterials auch. Dafür braucht es eine passende Sitzhöhe, Haltepunkte und Platz – nicht nur am WC, sondern auch daneben, wenn eine Pflegeperson hilft.
  • Hygiene ist Daueraufgabe. Haut, die regelmäßig mit Urin oder Stuhl in Berührung kommt, braucht sorgfältige Reinigung und Pflege, sonst drohen Hautreizungen und Entzündungen. Das Bad muss diese Pflege erleichtern – durch erreichbare Waschmöglichkeiten, gut zu reinigende Oberflächen und durchdachte Materialien.

Dazu kommt die psychische Seite, die bei der Planung oft vergessen wird: Inkontinenz ist mit Scham verbunden. Ein Bad, das Diskretion ermöglicht – eigene Handtücher, geschlossene Aufbewahrung, ein WC, das nicht im Blickfeld der Wohnungstür liegt –, erhält die Würde und die Selbstständigkeit. Und ein wichtiger Hinweis vorweg: Inkontinenz gehört immer zuerst in ärztliche Behandlung. Viele Formen lassen sich durch Beckenbodentraining, Medikamente oder kleine Eingriffe bessern oder heilen (Quelle: Deutsche Kontinenz Gesellschaft). Der Badumbau unterstützt den Alltag, ersetzt aber keine Diagnose.

Der Weg zur Toilette: nächtliche Routen gefahrlos machen

Bevor Sie über Dusche und WC nachdenken, prüfen Sie den Weg dorthin. Er ist bei Inkontinenz der am häufigsten genutzte – und nachts der gefährlichste. Folgende Punkte machen die Route sicher:

  • Stolperfallen entfernen: lose Teppiche, Kabel, Schuhe und Nachttisch-Rollen gehören aus dem Flur und vom Weg ins Bad. Auch Türschwellen sind Stolperkanten – sie lassen sich absenken oder mit festen Rampen überbrücken.
  • Licht, das von selbst kommt: Ein Nachtlicht mit Bewegungsmelder auf dem Weg und im Bad verhindert, dass jemand im Dunkeln nach dem Schalter sucht. Wichtig ist eine gleichmäßige, blendfreie Beleuchtung – grelle Punktstrahler erzeugen Schatten, in denen Stufen und Kanten verschwinden.
  • Halt auf ganzer Strecke: Ein durchgehender Handlauf vom Schlafzimmer bis zum WC ist die zuverlässigste Sturzprävention. Im Bad selbst übernehmen fest montierte Haltegriffe diese Aufgabe.
  • Die Tür als Hindernis prüfen: Eine Badtür, die nach innen schlägt, kostet Stellfläche und kann im Notfall blockieren. Nach außen öffnende Türen oder Schiebetüren schaffen Raum – wichtig, sobald ein Rollator oder Rollstuhl im Spiel ist oder eine zweite Person hilft.

Wer nachts unsicher ist, kann zusätzlich einen Nachttopf oder eine Toilettenstuhl-Variante im Schlafzimmer aufstellen – das ist keine Kapitulation, sondern reduziert die gefährlichsten Wege. Details zu Bewegungsflächen und Türmaßen nach DIN 18040-2 finden Sie in unserem Beitrag „Barrierefreies Bad nach DIN 18040-2“.

Das WC: Sitzhöhe, Haltegriffe und Intimhygiene

Das WC ist bei Inkontinenz das wichtigste Bauteil des Bads. Vier Entscheidungen zählen:

Die richtige Sitzhöhe. Wer schwer aufsteht oder unsicher sitzt, profitiert von einer Toilettensitzerhöhung (in der Regel 8 bis 10 Zentimeter, als Aufsatz oder als höheres WC). Entscheidend ist die aufrechte Sitzposition: Die Füße müssen flach auf dem Boden stehen, die Knie etwa auf Hüfthöhe. Nur so lässt sich der Darm vollständig entleeren – und nur so gelingt das Aufstehen ohne Kraftaufwand. Eine Sitzerhöhung gibt es im Regelfall mit ärztlicher Verordnung; eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt häufig eine Genehmigung und übernimmt sie in vielen Fällen als Hilfsmittel.

Haltegriffe an beiden Seiten. Stützklappgriffe neben dem WC erleichtern Aufstehen und Hinsetzen und können hochgeklappt werden, wenn sie stören. Bei einseitiger Schwäche – etwa nach einem Schlaganfall – muss mindestens auf der starken Seite ein fester Griff sitzen. Auch vor dem WC lohnt ein Haltegriff, denn das Umdrehen zum Hinsetzen ist ein häufiger Sturzmoment.

Ein Dusch-WC für die Intimhygiene. Ein Toilettensitz mit integriertem Wasserstrahl ersetzt das mühsame Abwischen mit der Hand – ein großer Gewinn für Menschen, die sich schwer bücken oder drehen können, und für Angehörige, die die Intimhygiene übernehmen. Ein Dusch-WC-Aufsatz lässt sich an vielen vorhandenen Toiletten nachrüsten, braucht aber einen Wasseranschluss und eine Steckdose in WC-Nähe; wer neu baut, plant diese Anschlüsse am besten gleich ein (Richtwert für einen Aufsatz in guter Ausstattung: einige hundert Euro, ohne Quellenbindung). Wichtig: Dusch-WCs werden von den Krankenkassen nicht generell übernommen – nur in begründeten Einzelfällen bezuschussen einzelne Kassen die Anschaffung. Fragen Sie vor dem Kauf bei Ihrer Krankenkasse nach.

Reinigung und Entsorgung. Ein wandhängendes WC erleichtert die Bodenreinigung, ein spülrandloses Modell die Innenreinigung. Für gebrauchtes Material gehört ein geschlossener Abfalleimer mit Deckel und Fußpedal in Griffweite – ein offener Korb ist hygienisch und geruchlich die schlechteste Lösung.

Duschen: Warum die Wanne bei Inkontinenz meist weichen sollte

Die Badewanne ist für Menschen mit Inkontinenz selten die richtige Lösung. Der Wannenrand muss im Stand überstiegen werden, das Stehen in der glatten Wanne ist riskant, und das Aussteigen aus dem nassen Wannenboden verlangt Kraft und Gleichgewicht, die gerade ältere Betroffene nicht mehr sicher haben. Dazu kommt: Bei Inkontinenz wird häufiger und gründlicher gewaschen als im normalen Alltag – das ist in einer Dusche deutlich einfacher als in der Wanne.

Die bodengleiche Dusche beantwortet diese Anforderungen:

  • Schwellenloser Einstieg – kein Anheben der Beine, kein Übersteigen; auch mit Rollator oder im Sitzen erreichbar. Der Umbau von der Wanne zur Dusche ist bei Inkontinenz oft die zentrale Maßnahme: Wanne zur Dusche umbauen.
  • Sitzen ist erlaubt und erwünscht: Ein fester Wandklappsitz oder ein Duschstuhl macht das Waschen im Sitzen möglich. Die Armatur sitzt dann so, dass sie vom Sitz aus bedienbar ist – eine Einhand-Thermostatmischbatterie mit Handbrause und langem Schlauch gehört zur Grundausstattung.
  • Verbrühschutz: Bei eingeschränkter Sensibilität oder Verwirrtheit begrenzt eine Thermostatarmatur die Wassertemperatur zuverlässig.
  • Platz für die helfende Person: Wenn Angehörige oder ein Pflegedienst beim Waschen helfen, braucht es neben dem Sitz ausreichend Raum – in der Dusche und davor.

Wer noch nicht umbauen kann, überbrückt die Zeit mit einem Duschhocker oder Duschstuhl in der vorhandenen Wanne sowie einer Handbrause mit langem Schlauch. Eine rutschfeste Duschmatte ist Pflicht, solange der alte Boden liegt.

Materialien für dauerhafte Hygiene: fugenarm, glatt, desinfizierbar

Inkontinenz stellt an die Baumaterialien Anforderungen, die beim normalen Badumbau oft unterschätzt werden: Flächen, die regelmäßig mit Urin in Berührung kommen und häufig mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln bearbeitet werden, müssen diese Belastung über Jahre aushalten, ohne porös zu werden und ohne dass sich Geruch festsetzt. Die wichtigsten Entscheidungen:

  • Großformatige, glasierte Fliesen statt kleiner Formate. Weniger Fugen heißt weniger Angriffsfläche für Feuchtigkeit und Keime. Feinsteinzeug ist dicht und saugt kaum Wasser – anders als manche Natursteine, die Flecken dauerhaft annehmen.
  • Fugen mit Reaktionsharz oder Epoxidharz. Normale Zementfugen sind porös und nehmen Feuchtigkeit auf; Epoxidharzfugen sind wasserdicht, glatt und deutlich leichter zu reinigen. Wenn irgendwo im Bad Fugen bleiben, dann diese.
  • Keine Holzböden, kein Teppich im Bad. Laminat und Parkett quellen bei wiederholter Nässe auf, Teppich speichert Geruch und Keime. Wer einen warmen Boden möchte, kombiniert Fliesen mit einer Fußbodenheizung.
  • Rutschhemmung nicht vergessen: Im Duschbereich verlangt die DIN 18040-2 rutschhemmende Beläge mindestens der Bewertungsgruppe B (Prüfung nach DIN 51097); in der Praxis üblich sind R10-Fliesen mit B-Einstufung, wer mehr Sicherheit will, wählt R11 – gerade wenn im Stehen oder auf nassen Fliesen gewaschen wird.
  • Wände planen: Im Bereich von Dusche und WC sollten die Wände gefliest oder mit einem wasserfesten, abwaschbaren Anstrich versehen sein. Spritzwasser und Reinigungsmittel setzen normaler Wandfarbe schneller zu, als man denkt.
  • Lüftung mit Nachlauf: Ein Fenster allein reicht oft nicht. Ein Abluftventilator mit Feuchtigkeitssensor oder Nachlaufzeit zieht Feuchtigkeit und Gerüche ab, bevor sie sich in Textilien und Fugen festsetzen. Auch ein Handtuchtrockner-Heizkörper hilft: Er trocknet Handtücher und Waschlappen, die bei Inkontinenz häufiger gewechselt werden.
  • Möbel auf Füßen oder an der Wand: Unterschränke mit Sockel erschweren die Bodenreinigung. Badmöbel auf Füßen oder wandhängende Schränke lassen sich darunter sauber wischen – ein Detail, das im Pflegealltag täglich zählt.

Waschen und Hautschutz: Abläufe, die Haut und Würde schonen

Inkontinenz greift die Haut an: Dauerfeuchtigkeit und aggressive Stoffe reizen sie, die Folge sind Rötungen, Juckreiz und im schlimmsten Fall offene Stellen. Die Pflegepraxis empfiehlt deshalb einen festen, sanften Ablauf (Quelle: Deutsche Kontinenz Gesellschaft, Pflegetipps):

  • Reinigen Sie den Intimbereich nach jedem Wechsel mit lauwarmem Wasser und einer pH-hautneutralen Waschlotion – normales Seifenstück oder Duschgel mit Duftstoffen reizen die Haut eher.
  • Tupfen statt Reiben, besonders bei empfindlicher oder vorgeschädigter Haut.
  • Tragen Sie anschließend eine rückfettende Pflege oder Wundschutzcreme auf – welche Produkte geeignet sind, klärt am besten der Arzt oder die ärztlich geleitete Kontinenzberatung.
  • Ein Vollbad ist für die tägliche Hygiene nicht nötig – die Teilwäsche am Waschtisch oder unter der Dusche schont Haut und Kräfte.

Damit dieser Ablauf gelingt, muss das Bad mitspielen: Der Waschtisch sollte auch im Sitzen nutzbar sein (unterfahrbar, mit Beinfreiheit) und eine Armatur mit ausziehbarer Brause haben – damit lässt sich die Intimhygiene am Waschtisch erledigen, ohne dass die Person in die Dusche muss. Ablagen für Material, Feuchttücher und Wechselwäsche gehören in Griffweite neben WC und Waschtisch.

Was wer zahlt: Material, Hilfsmittel und Umbau

Die Finanzierung bei Inkontinenz verteilt sich auf zwei Kostenträger – und die Zuständigkeiten werden häufig verwechselt:

Leistung Kostenträger Bedingungen
Inkontinenzmaterial (Vorlagen, Pants, Windeln)Krankenkasse (§ 33 SGB V)[1]Ärztliche Verordnung; in der Regel mittelgradige bis schwere Inkontinenz (häufig genannter Richtwert: mehr als 100 ml Urinverlust in 4 Stunden); Zuzahlung 10 %, mindestens 5 €, höchstens 10 € je Produkt
Duschhocker, Duschstuhl, ToilettensitzerhöhungKrankenkasse (§ 33 SGB V)[1]Im Regelfall mit ärztlicher Verordnung; eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt häufig eine Genehmigung (Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen“)
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (Handschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen, Schutzschürzen)Pflegekasse (§ 40 Abs. 2 SGB XI)[6]Anerkannter Pflegegrad 1–5, häusliche Pflege; bis 42 € monatlich seit 01.01.2025
Haltegriffe, Duschmatten, HandbrausenEigenkaufgelten als allgemeine Gebrauchsgegenstände
Badumbau (Dusche, WC-Bereich, Boden, Fliesen)Pflegekasse (§ 40 Abs. 4 SGB XI)Anerkannter Pflegegrad; bis 4.180 € je Maßnahme, bei mehreren Berechtigten im Haushalt bis 16.720 €[2]; Antrag vor Baubeginn

Zwei Hinweise zur Praxis: Inkontinenzmaterial wird auf Rezept verordnet[1] – als Dauerverordnung übernimmt die Krankenkasse die laufende Versorgung, das Sanitätshaus oder ein Vertragspartner liefert das Material regelmäßig nach Hause. Und wer keinen Pflegegrad hat, kann den Badumbau nicht über § 40 Abs. 4 SGB XI fördern lassen[2] – dann bleiben der KfW-Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ über die Hausbank[3] und die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG (bis 1.200 € im Jahr)[4]. Der KfW-Zuschuss 455-B ist seit dem 31.07.2026 gestoppt (2026er-Mittel ausgeschöpft; Stand: September 2026)[5] – neue Anträge werden nicht mehr angenommen. Mehr zum Gesamtüberblick: Förderung & Zuschüsse.

Raum für Pflegende einplanen

Wer zu Hause gepflegt wird, braucht ein Bad, das auch für die Pflegeperson funktioniert. Angehörige und Pflegedienste verrichten bei Inkontinenz mehrmals täglich körperliche Arbeit: Materialwechsel im Stehen, Waschen in gebückter Haltung, das Halten einer Person beim Umsetzen. Drei Planungsgrundsätze entlasten den Rücken und machen die Pflege sicherer:

  • Platz neben dem WC: Wer beim Wechseln hilft, braucht seitlich und vor dem WC Bewegungsraum – nicht nur eine Handbreit. Das WC sollte nicht in einer Nische kleben, wenn Pflege ansteht.
  • Arbeiten auf guter Höhe: Waschtisch und Ablagen so hoch, dass sich die Pflegeperson nicht bücken muss – und so niedrig, dass die gepflegte Person im Sitzen alles erreicht. Ein höhenverstellbarer Waschtisch löst diesen Zielkonflikt, ist aber nicht in jedem Bad nötig.
  • Materiallager in Reichweite: Vorlagen, Handschuhe, Desinfektionstücher und Wechselwäsche sollten im Bad (oder direkt davor) lagern – jeder Weg in den Flur oder ins Schlafzimmer ist ein zusätzlicher Sturz- und Zeitfaktor.

Der Umbau in sechs Schritten

  1. Ärztliche Abklärung der Inkontinenz und Beratung (Hausarzt, Urologie/Gynäkologie, Kontinenzberatung) – der Umbau folgt dem Bedarf, nicht umgekehrt.
  2. Hilfsmittel sichern: Rezepte für Material, Duschhocker und Sitzerhöhung bei der Krankenkasse einlösen – das überbrückt die Zeit bis zum Umbau.
  3. Pflegegrad prüfen bzw. beantragen, falls Pflegebedürftigkeit vorliegt – er öffnet den Zugang zu Zuschüssen der Pflegekasse.
  4. Angebote einholen: Zwei bis drei Festpreisangebote mit Vor-Ort-Termin, die WC-Bereich, Boden, Fliesen und Dusche getrennt ausweisen.
  5. Zuschussantrag nach § 40 Abs. 4 SGB XI stellen – vor Baubeginn[2] – und die Zusage abwarten.
  6. Umbauen lassen (bei Systemlösungen oft nur wenige Tage) und Rechnungen bei der Pflegekasse einreichen.

Checkliste: Bad bei Inkontinenz

  • [ ] Weg zur Toilette frei von Stolperfallen, mit Nachtlicht und durchgehendem Handlauf
  • [ ] Toilettensitzerhöhung oder höheres WC (Füße flach auf dem Boden)
  • [ ] Stützklappgriffe beidseitig am WC, Haltegriff vor dem WC
  • [ ] Geschlossener Abfalleimer mit Fußpedal in WC-Nähe
  • [ ] Dusch-WC-Anschlüsse (Wasser, Strom) geprüft bzw. eingeplant
  • [ ] Bodengleiche Dusche mit Duschplatz für Sitz oder Duschstuhl
  • [ ] Einhand-Thermostatarmatur mit Verbrühschutz und Handbrause (langer Schlauch)
  • [ ] Rutschhemmende, fugenarme Boden- und Wandflächen (Duschbereich mind. Bewertungsgruppe B nach DIN 51097; in der Praxis R10 mit B-Einstufung, besser R11)
  • [ ] Abluft mit Nachlauf bzw. gute Lüftung, Handtuchtrockner
  • [ ] Material, Wechselwäsche und Pflegeprodukte in Griffweite von WC und Waschtisch
  • [ ] Inkontinenzmaterial auf Rezept (§ 33 SGB V)[1] bzw. Pflegehilfsmittel-Pauschale (42 €/Monat, § 40 Abs. 2 SGB XI)[6] beantragt
  • [ ] Zuschussantrag § 40 Abs. 4 SGB XI vor Baubeginn gestellt[2]

Fragen und Antworten

Zahlt die Krankenkasse das Inkontinenzmaterial?

Ja – mit ärztlicher Verordnung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse aufsaugende Inkontinenzhilfen als Hilfsmittel (§ 33 SGB V)[1], üblicherweise ab einer mittelgradigen Inkontinenz. Sie zahlen nur die gesetzliche Zuzahlung (10 %, mindestens 5 €, höchstens 10 € pro Produkt). Eine Dauerverordnung deckt die laufende Versorgung ab.

Was bringt ein Dusch-WC – und wer zahlt es?

Ein Dusch-WC reinigt den Intimbereich mit einem Wasserstrahl und erspart das mühsame Abwischen. Für Menschen mit Inkontinenz, eingeschränkter Beweglichkeit oder für pflegende Angehörige ist es eine große Erleichterung. Die Krankenkassen übernehmen Dusch-WCs nicht generell – in Einzelfällen gibt es Zuschüsse. Vor dem Kauf bei der eigenen Kasse nachfragen.

Muss bei Inkontinenz die Badewanne weichen?

Nicht zwingend, aber meist sinnvoll. Die bodengleiche Dusche ist sicherer und einfacher zu reinigen; wer die Wanne behalten möchte, braucht zumindest einen Duschhocker und eine Handbrause, um im Sitzen zu duschen. Ein- und Ausstieg über den Wannenrand bleiben dann aber das Sturzrisiko.

Wie oft muss bei Inkontinenz gewaschen werden?

Nach jedem Materialwechsel ist eine Reinigung des Intimbereichs nötig, mindestens jedoch morgens und abends. Vollbäder sind nicht erforderlich – die Teilwäsche mit lauwarmem Wasser und pH-neutraler Lotion schont Haut und Kräfte.

Bekomme ich einen Zuschuss zum Badumbau ohne Pflegegrad?

Den Zuschuss der Pflegekasse nach § 40 Abs. 4 SGB XI gibt es nur mit anerkanntem Pflegegrad[2]. Ohne Pflegegrad bleiben der KfW-Kredit 159[3] und die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG[4]. Der KfW-Zuschuss 455-B ist seit dem 31.07.2026 gestoppt (2026er-Mittel ausgeschöpft; Stand: September 2026)[5] – neue Anträge werden nicht mehr angenommen.

Wie verhindere ich Geruch im Bad?

Durch die Kombination aus guter Lüftung (Abluft mit Nachlauf oder Fenster), geschlossener Material-Entsorgung, regelmäßiger Reinigung der Oberflächen und – entscheidend – dem richtigen Wechselrhythmus des Materials. Hartnäckiger Geruch aus Fugen deutet auf poröse Fugen hin, die durch Epoxidharzfugen ersetzt werden sollten.

Fazit

Inkontinenz stellt das Bad vor Aufgaben, die ein normaler Umbau nicht löst: Der Weg zur Toilette muss nachts gefahrlos sein, das WC zum hygienischen Arbeitsplatz werden und die Materialien müssen jahrelange Reinigung mit Desinfektionsmitteln aushalten. Die gute Nachricht: Diese Anforderungen sind mit überschaubaren Maßnahmen erfüllbar – bodengleiche Dusche, höhenangepasstes WC mit Stützgriffen, fugenarme Fliesen, ein Dusch-WC-Aufsatz und durchdachte Stauräume. Die laufenden Kosten für Material übernimmt die Krankenkasse auf Rezept, den Umbau bezuschusst die Pflegekasse mit bis zu 4.180 € je Maßnahme (§ 40 Abs. 4 SGB XI)[2] – vorausgesetzt, der Antrag kommt vor Baubeginn. Wer das Bad so plant, gewinnt nicht nur Hygiene und Sicherheit zurück, sondern ein Stück Selbstständigkeit und Lebensqualität. Alle Planungsdetails zu Maßen und Ausstattung: Barrierefreies Bad nach DIN 18040.

Quellen

  • Deutsche Kontinenz Gesellschaft, „Unsere Fragen an die Politik“ (rund zehn Millionen Betroffene, etwa jede neunte Person): https://www.kontinenz-gesellschaft.de/unsere-fragen-an-die-politik
  • Deutsche Kontinenz Gesellschaft, Pressemitteilung zur Welt-Kontinenz-Woche (Inkontinenz ist behandelbar, schätzungsweise zehn Millionen Betroffene): https://www.kontinenz-gesellschaft.de/14-welt-kontinenz-woche-20-bis-26-juni-2022-raus-aus-der-tabuzone-bundesweite-aktionswoche-zum-thema-inkontinenz-klaert-auf-und-macht-mut
  • § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung durch die Krankenkasse): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  • § 40 SGB XI (Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen; Abs. 2: 42 € monatlich, Abs. 4: 4.180 €/16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  • GKV-Spitzenverband, „Pflegehilfsmittel – zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (42 € ab 01.01.2025)“: https://www.gkv-spitzenverband.de/service/hmv/phm/p_himi.jsp
  • TENA/ Essity, „Inkontinenzmaterial auf Rezept“ (Richtwert mittelgradige Inkontinenz: mehr als 100 ml in 4 Stunden; Zuzahlung): https://www.tena.de/angehoerige-pflegen/pflegetipps/finanzielle-unterstuetzung/erstattung
  • GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen“: https://www.gkv-spitzenverband.de/hilfsmittel/hmv/hilfsmittelverzeichnis/
  • KfW, Meldung zum Antragsstopp 455-B vom 31.07.2026: https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
  • KfW, Produktseite Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/

Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung – bei neu auftretender Inkontinenz gehört der erste Weg zum Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr; Förderbedingungen können sich ändern. Vor Antragstellung die aktuellen Konditionen bei Pflegekasse, Krankenkasse und KfW prüfen.

Quellennachweise

  1. § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  2. § 40 Abs. 4 SGB XI (Zuschuss zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, bis 4.180 € je Maßnahme bzw. 16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  3. KfW, Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ (zinsgünstiges Darlehen bis 50.000 € je Wohneinheit): https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
  4. § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen, 20 % der Arbeitskosten, max. 1.200 €/Jahr): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html
  5. KfW, Antragsstopp des Zuschusses 455-B vom 31.07.2026 (Stand: September 2026): https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html
  6. § 40 Abs. 2 SGB XI (Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, bis 42 € monatlich): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html

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