Badumbau bei Arthrose: Gelenkschonend duschen oder Wannentür? (2026)

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt: Nach den Daten der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell" (GEDA 2019/2020-EHIS) des Robert Koch-Instituts geben 17,1 % der Erwachsenen an, innerhalb der letzten zwölf Monate eine Arthrose gehabt zu haben – bei Frauen sind es 21,6 %, bei Männern 12,4 %, und mit dem Alter steigt die Häufigkeit auf bis zu 47,3 % bei den ältesten Frauen (Quelle: RKI, Journal of Health Monitoring 3/2021). Am häufigsten betroffen sind Knie, Hüfte und Hände – genau die Gelenke, die beim Ein- und Ausstieg in die Badewanne unter Volllast arbeiten. Deshalb stellt sich für Millionen Betroffene irgendwann dieselbe Frage: Muss die Wanne raus – oder reicht eine Wannentür? Dieser Ratgeber vergleicht beide Lösungen aus der Perspektive der Gelenkschonung und zeigt, wann welche Variante die richtige ist.
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Was Arthrose mit Knie, Hüfte und dem Alltag macht
Arthrose ist ein Verschleiß des Gelenkknorpels. Der Knorpel, der die Knochenenden wie ein Stoßdämpfer polstert, wird dünner und rissig; im fortgeschrittenen Stadium reiben die Knochen direkt aufeinander. Die Folgen sind Schmerzen – typischerweise bei Belastung und beim Anlaufen nach Ruhe –, eine eingeschränkte Beweglichkeit und mitunter Gelenkschwellungen (Quelle: RKI, GBE-Themenseite Arthrose). Das Robert Koch-Institut beschreibt Arthrose als weltweit häufigste Gelenkerkrankung mit steigender Tendenz (Quelle: RKI GBE, Prävalenz ab 18 Jahre).
Für das Bad sind zwei Eigenschaften entscheidend:
- Belastungsschmerz: Knie- und Hüftarthrose schmerzen vor allem dann, wenn das Gelenk unter Last bewegt wird. Genau das passiert beim Ein- und Ausstieg in die Badewanne: Das Körpergewicht muss einbeinig gehoben, gedreht und gesenkt werden.
- Bewegungseinschränkung: Bei fortgeschrittener Arthrose lässt sich das Knie nicht mehr vollständig strecken oder beugen. Zum Übersteigen eines Wannenrands (rund 40 bis 55 cm hoch) braucht es aber genau diese Beweglichkeit – plus Kraft im Oberschenkel, die bei schmerzbedingter Schonung oft fehlt.
Hinzu kommt die schleichende Dynamik der Erkrankung: Betroffene kompensieren lange, entwickeln Schonhaltungen und verlieren dabei Kraft. Der Moment, in dem der Wanneneinstieg „plötzlich nicht mehr geht", ist selten plötzlich – er ist das Ende einer langen Phase der Überforderung. Genau diese Phase ist das Zeitfenster für eine gute Entscheidung zwischen Wannentür und Duschumbau.
Warum die Badewanne bei Arthrose zur Belastungsprobe wird
Wer die Mechanik des Wanneneinstiegs mit einem arthrotischen Gelenk durchspielt, versteht, warum die Wanne für viele Betroffene zur täglichen Hürde wird – lange bevor sie zur Gefahr wird:
- Der Einstieg: Ein Bein wird angehoben und über den Rand geführt. Dazu beugt sich das Standbein-Knie tief – bei Kniearthrose genau die Bewegung, die wehtut. Gleichzeitig muss die Hüfte des Standbeins das gesamte Körpergewicht halten.
- Das Absetzen: In der Wanne angekommen, muss man sich auf den Wannenboden oder eine Sitzfläche hinunterlassen. Die Beugung von Knie und Hüfte ist dabei deutlich tiefer als beim Stuhl – tiefe Beugungen gehören aber zu den belastendsten Bewegungen bei Arthrose überhaupt.
- Das Aufstehen: Der schwerste Moment. Aus der tiefen Sitzposition muss sich der Körper mit der Kraft des Oberschenkels aufrichten – mit schmerzendem Knie, nasser, rutschiger Unterlage und ohne Möglichkeit, sich mit den Armen abzustützen, wenn keine Griffe montiert sind.
- Der Ausstieg: Spiegelbild des Einstiegs: Drehung auf rutschigem Grund, einbeiniges Stehen, das angehobene Bein findet den Boden erst nach einer Drehung.
Wer an dieser Stelle nur den Sturz fürchtet, denkt zu kurz. Die eigentliche Belastung ist alltäglich: Jeder Ein- und Ausstieg ist eine Kraftanstrengung, die schmerzhafte Gelenke reizt und die Muskulatur ermüdet. Zwei- bis dreimal täglich summiert sich das zu einer dauerhaften Zusatzbelastung, die den Verlauf der Arthrose ungünstig beeinflussen kann. Gelenkschonung ist deshalb kein Komfortthema, sondern ein Baustein der Behandlung – und sie beginnt bei den alltäglichen Bewegungen, nicht erst in der Physiotherapie.
Die Wannentür: Für wen die Badewanne weitergehen kann
Die Wannentür – auch Badewannentür oder Einstiegstür genannt – ersetzt einen Teil der Wannenwand durch eine wasserdichte Tür. Der Einstieg erfolgt dann über eine niedrige Schwelle von wenigen Zentimetern, ohne das Bein über den Rand heben zu müssen. Je nach Anbieter, Wannenmodell und Ausstattung kostet der Einbau etwa 2.500 bis 4.500 € inklusive Montage (Richtwerte, Stand 2026 – Quelle: badewannentuer-einbauen.de, pflege.de, diewannentuer.de). Ausführlich: „Badewannentür: Kosten und Grenzen".
Was die Wannentür bei Arthrose wirklich verbessert:
- Der Schritt über den hohen Wannenrand entfällt – die belastendste Bewegung (einbeiniges Anheben mit tief gebeugtem Standbein) wird zur überwindbaren Hürde.
- Wannenbaden bleibt möglich. Für viele Arthrose-Betroffene ist warmes Wasser wohltuend – wer die Wanne behalten möchte, bekommt mit der Tür einen sicheren Zugang.
- Der Einbau ist in wenigen Stunden erledigt, verursacht kaum Baustaub und ist bei Mietwohnungen eher vermieterfähig als ein kompletter Duschumbau.
- Die Kosten sind deutlich niedriger als beim Duschumbau.
Wo die Wannentür an ihre Grenzen stößt – gerade bei Arthrose:
- Die Sitzposition bleibt tief. Nach dem Einstieg sitzt man auf dem Wannenboden – die tiefste Sitzposition, die ein Bad zu bieten hat. Das Aufstehen daraus belastet Knie und Hüfte exakt dort, wo die Arthrose sitzt. Ein Wannensitz oder Wannenbrett kann die Sitzhöhe anheben, bleibt aber ein Zusatzmöbel mit eigener Stolperkante.
- Die Rest-Schwelle bleibt. Ein paar Zentimeter sind wenig – für ein schmerzendes Knie, das nicht mehr vollständig beugt, können sie aber die Grenze zwischen „allein machbar" und „Hilfe nötig" sein. Je weiter die Arthrose fortschreitet, desto relevanter wird dieser Punkt.
- Kein Platz für Hilfsmittel und Helfer. Mit Rollator oder Gehstützen ist der Einstieg durch die Wannentür kaum zu bewältigen; auch eine Pflegeperson hat in der Wanne keinen Arbeitsraum.
- Nasse, glatte Fläche. Der Wannenboden ist glatt und wird beim Baden seifig. Rutschmatten helfen, ändern aber nichts an der Enge.
Die ehrliche Einordnung: Die Wannentür ist die Lösung für Menschen mit leichter bis mittlerer Arthrose, die weiter baden möchten, deren Knie die tiefe Sitzposition und das Aufstehen noch bewältigen und deren Gangbild sonst stabil ist. Wer bereits Schmerzen beim Aufstehen aus niedrigen Sesseln hat, wer Hilfsmittel nutzt oder wer sich beim Duschen festhält, weil die Beine nachgeben, gehört eher zur Gruppe der nächsten Lösung.
Die Dusche: Warum sie bei Arthrose die gelenkschonendere Wahl ist
Der Umbau von der Wanne zur Dusche ist der größere Eingriff – und für viele Arthrose-Betroffene die nachhaltigere Lösung. Der Grund liegt in der Biomechanik: Eine ebenerdige oder flache Dusche verlangt dem Knie und der Hüfte fast keine Beuge- oder Hubbewegung ab. Man tritt hinein wie in einen Raum, nicht wie über ein Hindernis.
Entscheidend ist aber, dass der Duschumbau bei Arthrose erst durch die richtige Ausstattung sein volles Potenzial entfaltet:
- Duschhocker oder Duschstuhl mit Armlehnen: Das Herzstück der gelenkschonenden Dusche. Wer im Sitzen duscht, belastet die Gelenke während der gesamten Körperpflege kaum. Die Armlehnen sind bei Arthrose wichtiger als bei jeder anderen Erkrankung: Beim Hinsetzen und Aufstehen stemmt man sich mit den Armen ab, und die Knie werden entlastet. Die Sitzfläche sollte so hoch eingestellt sein, dass die Füße sicher aufstehen und die Knie nicht höher als die Hüfte liegen.
- Haltegriffe am Duscheinstieg und in der Duschzone: Sie ersetzen das verzweifelte Festhalten an Armatur und Glaswand und geben beim Ein- und Ausstieg einen festen Bezugspunkt.
- Handbrause an der Brausestange: Erreicht im Sitzen jeden Körperteil, ohne sich drehen oder bücken zu müssen – Bücken ist für die Wirbelsäule und die Hüfte bei Arthrose eine zusätzliche Belastung.
- Rutschhemmender Boden (mind. Bewertungsgruppe B): Die DIN 18040-2 verlangt im Duschbereich rutschhemmende Beläge mindestens der Bewertungsgruppe B (DIN 51097); in der Praxis üblich sind R10-Fliesen mit B-Einstufung. Wer mit schmerzenden Gelenken geht, geht unsicherer – ein rutschfester Boden ist die Basis, auf der alle anderen Maßnahmen erst wirken.
- Sitzfläche zum Abstellen: Eine Ablage in Sitzhöhe neben dem Duschplatz, damit Shampoo und Duschgel nicht am Boden stehen und zum Bücken verleiten.
Die Bewegungsfläche sollte großzügig sein: Nach DIN 18040-2 gelten für barrierefreie Bäder Duschflächen und Bewegungsflächen von mindestens 120 × 120 cm als Orientierung – das schafft Platz für einen Duschstuhl, für das Abstellen eines Rollators und später für den Fall, dass eine Pflegeperson mit in die Dusche muss (Details: Barrierefreies Bad nach DIN 18040).
Der wichtigste Unterschied zur Wannentür: Die Dusche bleibt auch dann die richtige Lösung, wenn sich die Arthrose verschlimmert. Eine Wannentür, die mit mittelschwerer Arthrose noch funktioniert, wird mit fortschreitender Erkrankung zur Sackgasse – der Duschumbau dagegen trägt von der ersten Schonhaltung bis zum Rollator und darüber hinaus. Wer die Wahl hat, sollte sie nicht nur für den heutigen, sondern auch für den zu erwartenden Zustand treffen.
Wannentür oder Dusche? Die Entscheidungshilfe
Die folgende Tabelle fasst die Kriterien zusammen, die bei Arthrose den Ausschlag geben:
| Kriterium | Wannentür | Duschumbau |
|---|---|---|
| Einstiegshöhe | Niedrige Rest-Schwelle (einige cm) | Bodengleich, keine Schwelle |
| Sitzposition beim Waschen | Wannenboden (tief) oder Wannensitz | Duschstuhl/Hocker in ergonomischer Höhe |
| Gelenkbelastung Ein-/Ausstieg | Gering, aber tiefe Beuge beim Aufstehen | Sehr gering |
| Baden bleibt möglich | Ja | Nein (Wanne entfällt) |
| Kosten (Richtwerte 2026) | ca. 2.500–4.500 € inkl. Montage | ca. 3.000–10.000 € je nach Ausführung |
| Bauaufwand | Stunden, kaum Schmutz | 1–5 Tage, je nach Lösung |
| Rollator-/Rollstuhltauglich | Nein | Ja |
| Für Vermieter/Mietwohnung | Oft unkompliziert (rückbaubar) | Genehmigung nötig, oft wertsteigernd |
| Zukunftsreserve bei fortschreitender Arthrose | Begrenzt | Hoch |
Drei Faustregeln für die Einordnung:
- Mittlere bis schwere Knie- oder Hüftarthrose → Dusche. Wer beim Aufstehen aus dem Sessel die Armlehnen braucht oder morgens Anlaufschmerzen hat, gehört nicht auf den Wannenboden.
- Leichte Arthrose, Baden ist Herzenswunsch → Wannentür. Solange Knie und Hüfte die tiefe Sitzposition schmerzfrei verlassen, ist die Wannentür die preiswerte, schnelle Lösung.
- Unsicher? → Der Stuhltest. Probieren Sie aus, ob das Aufstehen aus einem niedrigen Hocker (ca. 40 cm) ohne Armlehnen gelingt. Wer dabei zögert oder Hilfe braucht, wird sich aus der Wanne nicht allein erheben können – egal ob mit oder ohne Tür.
Ein Sonderweg für Mietwohnungen: Wer nicht sicher ist, ob er langfristig in der Wohnung bleibt, kann mit einer Wannentür die Zeit überbrücken – der Eingriff ist reversibel und der finanzielle Verlust bei einem späteren Auszug gering. Wer dagegen langfristig wohnt, sollte die höhere Investition in die Dusche nicht scheuen; sie erhöht den Gebrauchswert der Wohnung und ist auch im Alter und bei späteren Erkrankungen die tragfähigere Lösung.
So planen Sie das Bad gelenkschonend – Schritt für Schritt
Unabhängig von der gewählten Lösung gilt für arthrosegerechte Bäder dieselbe Planungslogik: Jede Bewegung, die Beugen, Bücken oder einbeiniges Stehen verlangt, wird eliminiert oder bekommt einen festen Halt.
- Sitzhöhen prüfen: Duschstuhl, Toilettensitz und Waschtisch sollten so hoch sein, dass das Aufstehen ohne tiefe Kniebeuge gelingt. Eine Toilettensitzerhöhung (10–15 cm) entlastet Knie und Hüfte bei jedem Toilettengang – bei Arthrose ein unterschätztes Detail.
- Greifräume schaffen: Was täglich genutzt wird (Handtuch, Duschgel, Zahnbürste), gehört zwischen Hüft- und Schulterhöhe. Alles, wofür man sich bücken oder strecken muss, ist bei Arthrose eine vermeidbare Belastung.
- Bewegungsachsen freihalten: Keine Körbe, Hocker oder Wäscheständer auf dem Weg zur Dusche. Bei eingeschränkter Beweglichkeit wird jeder Umweg zur Stolperstrecke.
- Bodenbelag wählen: Rutschhemmende Fliesen – im Duschbereich mindestens Bewertungsgruppe B (DIN 51097), in der Praxis üblich R10-Fliesen mit B-Einstufung; keine losen Badvorleger, deren Kanten sich aufstellen.
- Armlehnen überall dort, wo man sich hinsetzt: Am WC ein Stützklappgriff, an der Dusche ein senkrechter Griff zum Festhalten beim Ein- und Ausstieg. Die Arme sind bei Arthrose die „Ersatzmuskulatur" der Beine – sie brauchen Angriffspunkte.
- Frühzeitig planen, nicht im Schmerzfall: Warten Sie nicht, bis der Einstieg unmöglich ist. Wer den Umbau macht, während er noch schmerzfrei planen und mitentscheiden kann, wählt besser – und der Betroffene gewöhnt sich an die neue Dusche, solange das Umsteigen leichtfällt.
Eine ergotherapeutische Beratung hilft, die Höhen und Griffpositionen auf die eigene Körpergröße und Beweglichkeit abzustimmen – sie kann im Rahmen einer verordneten Ergotherapie oder als private Wohnberatung erfolgen.
Was der Umbau kostet und wer sich beteiligt
Die Kosten für den Duschumbau liegen je nach Ausführung zwischen etwa 3.000 € (Systemlösung mit Duschtasse) und 5.000–10.000 € für bodengleiche, geflieste oder barrierefreie Lösungen (Richtwerte ohne Quellenbindung, Stand 2026; Details: „Badumbau-Kosten 2026"). Die Wannentür ist mit 2.500–4.500 € günstiger. In beiden Fällen gibt es Zuschüsse:
- Pflegekasse (§ 40 Abs. 4 SGB XI): Mit anerkanntem Pflegegrad 1 bis 5 bezuschusst die Pflegekasse wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.180 €[1] – auch Wannentüren können als solche Maßnahme anerkannt werden, die Entscheidung trifft die Pflegekasse im Einzelfall. Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden. Bei mehreren pflegebedürftigen Personen in einer gemeinsamen Wohnung sind bis zu 16.720 €[1] möglich.
- Pflegegrad bei Arthrose? Ja, das wird unterschätzt: Wer wegen der Arthrose Hilfe bei der Körperpflege, beim An- und Auskleiden oder bei der Haushaltsführung braucht – etwa weil das Stehen in der Dusche nicht mehr gelingt –, kann einen Pflegegrad beantragen. Der Medizinische Dienst begutachtet den Hilfebedarf unabhängig von der Diagnose. Ein Leitfaden: „Pflegegrad beantragen".
- Krankenkasse: Duschhocker, Duschstühle und Toilettensitzerhöhungen sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung gelistet (Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen") und werden im Regelfall auf Rezept übernommen – eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, die Krankenkasse verlangt aber häufig eine Genehmigung; üblicherweise verordnet der Orthopäde oder Hausarzt, die Kasse zahlt abzüglich Zuzahlung (§ 33 SGB V)[2]. Handelsübliche Haltegriffe zählen dagegen zu den allgemeinen Gebrauchsgegenständen.
- KfW: Der Zuschuss 455-B (Barrierereduzierung) ist seit dem 31.07.2026 gestoppt (2026er-Mittel ausgeschöpft; Stand: September 2026 – keine neuen Anträge)[3]. Offene Alternative: der Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“, der über die Hausbank läuft[4].
- Finanzamt: Die Arbeitskosten des Handwerkers (nicht das Material) lassen sich als Handwerkerleistung nach § 35a EStG zu 20 %, maximal 1.200 € im Jahr[5], von der Steuerschuld abziehen. Die Rechnung muss den Lohnanteil getrennt ausweisen und per Überweisung bezahlt sein.
Fragen und Antworten
Schadet Wannenbaden bei Knie- oder Hüftarthrose?
Das warme Wasser selbst ist für viele angenehm und entspannend. Das Problem ist der Weg hinein und wieder heraus: Ein- und Ausstieg sowie das Aufstehen vom Wannenboden belasten die Gelenke stark. Wer baden möchte, sollte die Einstiegshürde senken (Wannentür, Wannenlift oder Haltegriffe) und eine Sitzhilfe nutzen – oder mit dem Arzt besprechen, ob die Dusche die schonendere Alternative ist.
Ist eine Wannentür ein „Badumbau" im Sinne der Förderung?
Grundsätzlich können auch kleinere Maßnahmen wie der Einbau einer Wannentür als wohnumfeldverbessernde Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI[1] anerkannt werden. Ob der Einzelfall förderfähig ist, entscheidet die Pflegekasse – der Antrag muss vor dem Einbau gestellt werden.
Welcher Duschstuhl ist bei Arthrose der richtige?
Einer mit Armlehnen, rutschfesten Füßen und möglichst höhenverstellbarer Sitzfläche, damit die Knie beim Sitzen nicht höher liegen als die Hüfte. Sanitätshaus oder Ergotherapeut helfen bei der Auswahl; im Regelfall übernimmt die Krankenkasse die Kosten auf Rezept – eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht, häufig ist eine Genehmigung nötig (§ 33 SGB V)[2].
Ab wann ist Arthrose ein Grund für den Badumbau?
Sobald der Ein- und Ausstieg schmerzt, Sie sich beim Duschen festhalten müssen, ein Beinahe-Sturz passiert ist oder Sie das Duschen seltener machen, weil es anstrengt. Nicht erst warten, bis Hilfe nötig ist – Gelenkschonung wirkt am besten, bevor die Schonhaltung die Muskulatur abbaut.
Lässt sich eine Wannentür später zur Dusche umbauen?
Ja. Die Wannentür ist eine Aufrüstung der bestehenden Wanne; will man später duschen, wird die Wanne komplett ausgebaut und durch die Dusche ersetzt. Der Betrag für die Wannentür ist dann zwar verloren, aber die Wannentür kann die Übergangszeit um Jahre sichern – in Mietwohnungen oft die pragmatische Reihenfolge.
Hilft ein Badewannenlift bei Arthrose?
Ein Wannenlift senkt die Person sitzend ins Wasser und hebt sie wieder heraus – die Knie- und Hüftbelastung des Einstiegs entfällt weitgehend. Der Lift muss aber nach jedem Bad bewegt und gelagert werden, und er kann im Regelfall mit ärztlicher Verordnung als Hilfsmittel nach § 33 SGB V von der Krankenkasse übernommen werden – eine generelle Verordnungspflicht besteht nicht (Einzelfallentscheidung)[2]. Für Menschen, die baden möchten, ist er eine ernsthafte Alternative zur Wannentür.
Fazit
Arthrose zwingt zu einer Entscheidung, die andere Krankheitsbilder nicht kennen: Wannentür oder Dusche? Wer weiter baden will und dessen Knie die tiefe Sitzposition noch verlassen können, für den ist die Wannentür die preiswerte, schnelle Lösung. Wer spürt, dass Knie und Hüfte bei jeder tiefen Bewegung protestieren – und sei es nur beim Aufstehen aus dem Sessel –, für den ist die bodengleiche Dusche mit Duschstuhl und Armlehnen die gelenkschonende und zukunftssichere Wahl. Die gute Nachricht: Beide Wege lassen sich fördern. Beantragen Sie den Pflegegrad, wenn Alltagshilfe nötig wird, stellen Sie den Zuschussantrag nach § 40 SGB XI[1] vor Baubeginn und lassen Sie sich die Arbeitskosten fürs Finanzamt ausweisen. Ihr Knie und Ihre Hüfte danken Ihnen jeden Ein- und Ausstieg. Weitere Details und Preisbeispiele: Wanne zur Dusche umbauen.
Quellen
- Robert Koch-Institut, GEDA 2019/2020-EHIS, Journal of Health Monitoring 3/2021 (12-Monats-Prävalenz Arthrose 17,1 %; Frauen 21,6 %, Männer 12,4 %; bis 47,3 % bei ältesten Frauen): https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/8749/JoHM_03_2021_GEDA_Gesundheitliche_Lage.pdf
- Robert Koch-Institut, GBE-Themenseite „Arthrose: Prävalenz (ab 18 Jahre)" (häufigste Gelenkerkrankung, steigende Tendenz): https://www.gbe.rki.de/DE/Themen/Gesundheitszustand/KoerperlicheErkrankungen/MuskelSkelettErkrankungen/ArthrosePraevalenz/arthrosePraevalenz_node.html
- § 40 Abs. 4 SGB XI (Zuschuss wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, 4.180 € / 16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
- § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung, Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen"): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
- § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html
- KfW, Antragsstopp 455-B (31.07.2026) und Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen": https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/Förderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/
- Kostenrichtwerte Wannentür: badewannentuer-einbauen.de, pflege.de, diewannentuer.de (2.500–4.500 € inkl. Montage); Badumbau-Kosten 2026 (Systemlösung 3.000–5.000 €, bodengleich gefliest 5.000–8.000 €, Komplettlösung bis 10.000 €)
- DIN 18040-2 (Barrierefreies Bauen – Wohnungen)
Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Preise sind Richtwerte, Förderbedingungen können sich ändern. Dieser Text ersetzt keine individuelle medizinische Beratung – besprechen Sie belastende Bewegungen und den passenden Zeitpunkt für Umbaumaßnahmen mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin.
Quellennachweise
- § 40 Abs. 4 SGB XI (Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: bis 4.180 € je Maßnahme, bei mehreren Pflegebedürftigen bis 16.720 €): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html ↩
- § 33 SGB V (Hilfsmittelversorgung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html ↩
- KfW, Meldung zum Antragsstopp des Zuschusses 455-B vom 31.07.2026 (Stand: September 2026): https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_903232.html ↩
- KfW, Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ (Darlehen, Antrag über die Hausbank): https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/F%C3%B6rderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-(159)/ ↩
- § 35a EStG (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen: 20 % des Lohnanteils, max. 1.200 € pro Jahr): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html ↩
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